Genderseite

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Wir feiern zu Beginn des Monats Allerheiligen und aus den Viten der bekanntesten Heiligen dieses Monats können wir einiges über das unterschiedliche Leben von Mann und Frau erlesen. Am 4. November gedenken wir Karl Borromäus, der als Kirchenfürst in Rom und Mailand im 16. Jahrhundert gelebt hat und sich als Reformer und Pestheiliger einen Namen gemacht hat. Am 11. November hat der Hl. Martin von Tour sein Fest, er hat im 4. Jhdt nach Christus als Soldat, dann als Priester und Bischof Gutes getan. Am 15. November ist das Fest des Hl. Leopold, eines Babenberger Friedensfürstens und des Hl. Albertus Magnus, eines hochgebildeten Predigers und Doctor universalis. Am 30. November feiern wir schließlich Andreas, den Apostel des Herrn. Sie hatten alle ihre Probleme, aber sie konnten ein mehr oder weniger eigen bestimmtes Leben führen. Sie konnten ihren Berufungen nachgehen.

Wie war das mit den heiligen Frauen? Am 19. November feiern wir Elisabeth von Thüringen. Als Mädchen musste sie ihr Elternhaus verlassen, weil sie eine politische Ehe eingehen musste und die Frauen, verließen ihr zu Hause. In Thüringen konnte sie nur für die Armen wirken, solange sie von ihrem Mann beschützt wurde. Nach seinem Tod nahm man ihr die Mitgift und die Kinder um sie klein zu kriegen. Trotzdem schaffte sie es, ein kleines Spital zu errichten, mit 24 war sie tot, kein Wunder. Am 22. November hat die Kirchenmusikpatronin Cäcilia ihren Gedenktag. Auch sie wurde zur Ehe gezwungen, doch sie konnte ihren Mann zum christlichen Glauben bekehren. Sowohl ihr Mann als auch sie bezahlten in der Zeit der Christenverfolgung mit dem Tod. Die 3. Heilige, die uns im November sehr bekannt ist, leider kommt der Kathreintanz jetzt etwas aus der Mode, ist die Hl. Katharina von Alexandrien. Sie war reich, schön und gebildet. Sie sollte heiraten, denn ihr Geld wollten viele. Sie weigerte sich, sie besiegte im Disput gelehrte Männer, das war ihr Todesurteil, obwohl sogar die Kaiserin sie schützen wollte. Aber was soll die Kaiserin gegen den Kaiser ausrichten und so starb auch Katharina den Märtyrertod.

In den Heiligenviten wird oft grausig gestorben, aber es fällt auf, dass Frauen ihr Leben kaum in die Hand nehmen durften, nicht klug sein durften. Unliebsame Frauen wurden mit Gewalt bedroht, ins Kloster gesteckt, ihnen wurden die Kinder oder ihr Erbe genommen, im Kloster wurden sie von Beichtvätern eingeengt. Viele Frauen wurden sozusagen unter Kuratel gestellt, traurig, dass es dies in vielen Ländern noch heute gibt.

Unlängst wurden deutsche Kinder befragt, wer Bundeskanzler werden darf und sie meinten, eine Frau, weil sie in ihrem jungen Leben nur Frau Merkl kennengelernt hatten. Ja, davor fürchten sich anscheinend die Männer, die Frauen den   Zugang zu einem gleichberechtigten Leben verwehren. Manche machen das mit der Holzhammermethode Gewalt. Viele machen es viel diffiziler, sie reden den Frauen ein, für manches nicht geschaffen zu sein und holen sich Frauen als Mithelferinnen oder Mittäterinnen, Sie bemühen Tradition oder noch besser Religion, weil was soll man gegen Religion schon sagen, vor allem wenn sie so fürsorglich christlich daherkommt, für alle Menschen ja nur das Beste will, nach Jesu Vorbild den Himmel auf Erden für möglichst alle.

In der Zeitung Sonntag habe ich von einem Berufungserlebnis eines Priesters gelesen, er hat ihn einfach erfasst, der Ruf, und er konnte nur sein Leben umkrempeln und Priester werden. Ich habe es hier schon oft gefragt und ich tue es wieder. Was sollen Frauen in dieser Situation tun, denn es gibt sie, die Frauen die sich gerufen fühlen. Ich würde das gern den Herrn Kardinal fragen, wenn er in unsre Pfarre kommt. Oder bin ich da eine Störerin der Idylle? Da kommt mir das Evangelium vom Winzer in den Sinn, der zu seinen Arbeitern Boten schickt, damit sie richtig arbeiten. Die stören aber nur und werden verjagt. Sogar den Sohn bringen die Arbeiter um. Nun wird dieses Gleichnis immer nur auf Jesus projiziert, aber was ist, wenn es darum geht, dass wir auf Boten hören sollen und sie nicht als Unbequeme verjagen oder gar mundtot machen sollen. Die Predigt von Pater Klaus ging in diese Richtung. Aus der Geschichte wissen wir, dass man Frauen mit den bizarrsten Argumenten die Gleichstellung verwehren wollte und zum Glück hat sich in der westlichen Welt schon vieles als haltlos entpuppt. Ich finde es nicht schlimm, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen nach Österreich kommen und wir eine neue Kultur erschaffen, die Geschichte wird in 50 Jahren davon wissen. Aber ich finde es schlimm, wenn aus falsch verstandener Toleranz, die mühsam errungenen Frauenrechte plötzlich wieder auf dem Spiel stehen. Kirche darf sich nicht ausruhen – ja wir haben wieder viele Jahre gewonnen, weil wir so viele konservative neue Einwanderer haben, die wir nicht vor den Kopf stoßen können!?

Am 19. November feiern wir den internationalen Männertag und am 25. den Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Wenn unsere Welt schon gendergerecht wäre, würden wir beide Tage nicht brauchen. Als Gläubige dürfen wir hoffen und beten.

– Elisabeth „Sissi“ Eichinger

 

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