Altenseelsorge

Veröffentlicht von

Eine der ältesten Bewohnerinnen in der Wohnanlage FORTUNA, Frau Anna Kollmann, wurde am 4. Nov.,       vierundneunzigjährig, in die ewige Heimat berufen. Sie war eine umtriebige, vielseitig interessierte Dame, die trotz ihres hohen Alters noch viel bewegen konnte und das auch mit großem Engagement und Begeisterung tat. Zum Beispiel die Vorbereitungen für die Kommunion- andachten zu treffen und am Schluss der Andachten alles wieder abzuräumen und an den angestammten Platz zu bringen.

Wenn sie aber mit etwas unzufrieden war, tat sie das lautstark kund und beharrte vehement auf ihrem Standpunkt. Mit ihren MitbewohnerInnen hat sie sich dennoch gut verstanden. Sie hat viel durchsetzen können und war aus unserer Runde nicht mehr wegzudenken. Kurz vor ihrem Tod habe ich sie noch an ihrem Krankenbett besucht und ihr die Kommunion spenden dürfen.

Es ging ihr schon sehr schlecht, sie rang nach Luft und konnte kaum mehr sprechen. Das Ende war abzusehen. Bei aller Traurigkeit ist es doch schön zu erleben, wie eine Berührung, ein Druck der Hände, ein tröstliches Wort ein letztes Lächeln auf die Lippen der Sterbenden zaubern kann.

Adieu, liebe Anna Kollmann.

Menschen aus dem Sterben hinaus und ins Sterben hinein zu begleiten, ist – theologisch gesehen – Aufgabe einer spirituellen Begleitung. Es geht darum, der tödlichen Verhältnis-losigkeit des Menschen entgegen-zutreten bzw. über den Tod hinaus hoffen zu glauben, dass Gott sich zum Menschen liebevoll „verhalten“ wird. Die Aufgabe des Christen in der Sterbebegleitung ist also einerseits der leidenschaftliche Kampf gegen das entfremdende Ausgeliefertsein an die vielen Verhältnisse, an Medikamente, Ärzte, Strukturen, Zeiteinteilungen usw., aber auch gegen einen vorzeitigen Verlust dieser Verhältnisse, also gegen unzeit-gemäße Verhältnislosigkeit.

Den alttestamentlichen Texten zufolge stirbt würdig und individuell, wer, wie Abraham (Gen 25,8), lebenssatt ist, das heißt: tatsächlich gelebt hat, lebendig und erfüllt, befriedigt und befriedet sein individuelles Leben gefunden und realisiert hat.

(Diese Passage im Anschluss an den Nachruf war Teil einer pastoral- theologischen VO im Rahmen der Alten- und Krankenseelsorge).

© Renate Plöchl, 0676 31 38 390

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.