Der Dezember

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Der Dezember ist der Monat des Advents und Weihnachtens. Wir denken an den Engel bei Maria und an die Geburt Jesu. Nicht wegzudenken dabei Maria, die Mutter, die das Heilsgeschehen möglich machte. Wer war sie? Wie lebte sie? Sie war eine jüdische Frau aus der Antike. Wir wollen ihre Lebenswelt betrachten.

In der Antike war die Gesellschaft hierarchisch und patriarchisch aufgebaut, vom Familienvater waren Frau und Kinder abhängig. Die Frau war die Dienerin, untergeordnet, passiv. Die Männer gestalteten die traditionellen Werte der Gesellschaft. Es war gefährlich Frauen am Wissen teilhaben zu lassen, denn Wissen ist bekanntlich Macht. Um Frauen machtlos zu halten, verwehrte man ihnen also das Wissen. Institutionelle Bildung z.b. in einer Schule, gab es für Frauen also nicht.   Für den Haushalt sollten Frauen allerdings vieles wissen und können: kochen, backen, Haushaltsführung, waschen, weben, schneidern, putzen, Kinderbetreuung, medizinische Grundversorgung.

Die jüdische Frau herrschte im Haus. Sie zündete am Freitag Abend die Schabatkerzen an und eröffnete so den wöchentlichen Feiertag der Ruhe. Sie war zuständig für die Bereitung der koscheren Speisen (nur Fleisch von paarhufigen Wiederkäuern, die geschächtet wurden, kein Blut, keine Milch und Fleischprodukte gemeinsam). Sie war die wichtigste Stütze des Hauses, bestimmte den Charakter und die Atmosphäre in der Familie. Sie sollte Gott zu Hause eine Wohnstätte machen. Die Mahlzeiten wurden zum Gottesdienst, auch durch das   Waschen der Hände und den Segenssprüchen vor und nach der Mahlzeit. Vielleicht konnte Maria doch lesen, weil vieles wurde eben auch zu Hause gelernt und aus der Literatur sind weibliche gelehrte Frauen bekannt.

Juden halten sich an die 613 Gesetze, der Thora, der ersten 5 Bücher des Alten Testamentes, Frauen müssen sich nur an die Gesetze halten, die nicht an bestimmte Zeiten gebunden sind, denn Menstruation, Geburten, Stillzeiten könnten sie daran hindern.

In der Synagoge hatten Frauen   eine eigene Abteilung und sie durften nicht aus der Thora vorlesen. Als Frau zählte Maria nicht zu den 10 geforderten Männern für ein gültiges Gebet in der Synagoge. Sie durfte nicht als Zeugin auftreten. Im Normalfall hätte ihr der Vater den Gatten ausgesucht, sie hätte aber die Zustimmung zur Hochzeit geben müssen. Bei der Verlobung wurde sie in die „Gewalt“ ihres Gatten übergeben. Verheiratete Frauen trugen einen Schleier, weil Rebekka, als sie ihres Bräutigams Isaak ansichtig wurde, das Haupt verhüllte.

Die Eheleute sollen sich glücklich machen, auch sexuell, daher durfte es keine Zwangshandlungen geben. Einige Zeit ihre Lebens dürfte Maria in der Mikwe , einem rituellen Tauchbad nach jeder Menstruation, zugebracht haben.

Die Frau war in der Regel nicht erbberechtigt.

Weil einander Ehepartner glücklich machen sollten , und dies nicht immer möglich war, gab es die Scheidung, Männer mussten allerdings zustimmen und die Kinder blieben beim Mann. In den Städten waren Frauen von der Öffentlichkeit völlig ausgesperrt, mit Frauen redete man nur im Haus, am Land, durch die Arbeit in vielen Bereichen, waren Frauen meist freier.

Vieles ist im orthodoxen Judentum noch heute so und Frauen finden in Ordnung, dass sie vom öffentlichen Bereich ausgeschlossen sind, weil sie ja ihren eigenen häuslichen Bereich haben. Aber wie bei uns im Katholizismus hat dies auch einen Pferdefuß. Die weiblichen Ideen werden zu wenig gehört, die Weltsicht der Frauen von Männern oft nicht verstanden. Frauen wollen   gestalten, auch in der Liturgie. Im Judentum hat sich in der Zwischenzeit ein Reformjudentum mit Rabbinerinnen und gemischten Gottesdiensten entwickelt. Auf das Reformkatholikentum warten wir noch immer. Frohe Weihnachten.

 

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