Kultur des guten bzw. aktiven Alterns

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Liebe Gemeinde, wiederholt darauf angesprochen, möchte ich einmal mehr auf das Thema „Altern in der heutigen Gesellschaft“ zurückkommen und einige Aspekte daraus hervorheben bzw. ergänzen.

Warum altern wir? Wie können wir den Alterungsprozess beeinflussen?

Bis heute gibt es keine einheitliche Theorie über das Altern. Tatsache ist aber, dass der Alterungsprozess nicht gestoppt, sehr wohl aber von uns beeinflusst werden kann. Bestimmte „Altmacher“ sollten wir demnach vermeiden bzw. drosseln. Zum Altern gehören zahllose Facetten. Zu den wichtigsten Aspekten zählen

– Genetisches Altern, Altern durch Lebensführung und Umwelteinflüsse, Biochemisches Altern, Hormonelles Altern

 

Auch bestimmte äußere Einflüsse sollten vermieden werden:

Ganz oben auf der Liste die „Freien Radikalen“ (entstehen durch Einflüsse von außen wie UV-Strahlen, Ozon, Chemikalien, Alkohol, v.a. Nikotin). Natürlich ist auch Stress ein wesentlicher Faktor.

Altsein wird ja zwiespältig bewertet: man ist alt und aktiv oder man ist alt und passiv. Aktiv zu sein entspricht freilich mehr den impliziten gesellschaftlichen Leitbildern von Leben. So wichtig es ist, die Lebendigkeit von Menschen auch im Alter zu erhalten und zu fördern, so sehr wird heutzutage mit einer Art „Aktivitätsphilosophie“ das Nachlassen der Kräfte, das drohende Dahinsiechen und Sterben verdrängt.

Die Kontaktfreudigkeit der Alternden mag geringer, ihre Gefühlsvalenzen mögen schwächer werden, ohne dass aber das Bedürfnis nach Menschen erlischt. Das ist das Schwierigste – die stillschweigende Aussonderung der Alten und Sterbenden aus der Gemeinschaft der Lebenden, das allmähliche Erkalten der Beziehung zu Menschen, denen ihre Zuneigung gehörte, die ihnen Sinn und Geborgenheit bedeuteten.

Natürlich wenden sich Menschen auch an die Kirche mit dem Wunsch, Sinnstiftung und Lebensdeutung für das Erleben des Sterbens und des Todes zu bekommen. Man erhofft sich, verlässlich und glaubwürdig aus dem Erbe der christlichen Überlieferung eine Hilfe zu erhalten, dass das Leben einen Sinn hat und nicht absurd ist, dass der Mensch mit seiner Angst nicht ins Leere fällt, sondern gehalten ist in den bergenden Händen Gottes, dass die Unbegreiflichkeit des Todes aufgehoben sein möge in der Unbegreiflichkeit Gottes. Die Frage nach dem Sinn von Leben und Sterben stellt sich für Menschen nicht alltäglich. Und eine dauernde Auseinandersetzung mit den Schlüsselfragen des Lebens ist vielleicht auch gar nicht wünschenswert. Die Energien von Menschen sind begrenzt und werden in intensiver Weise von der Alltäglichkeit des Lebens aufgesaugt. Doch gerade die Übergänge und Brüche in der Lebensgeschichte setzen grundsätzliche Fragen nach dem Sinn des Ganzen, nach einem tragenden Grund, einen erhellenden Horizont frei.

In unterschiedlichen Ausdrucksformen erwarten sie eine Orientierung über das Ereignis hinaus, einen Zuspruch durch den sie nicht vertröstet werden, eine sinnstiftende Antwort, die ihnen plausibel erscheint, eine Geste der Solidarität, des wortlosen Verstehens.

© Renate Plöchl, 0676 31 38 390

 

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