Ein Gefühl wie Champagner

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Gerne denke ich zurück an die Zusammenkünfte mit meinen Freundinnen und Kolleginnen in Spital am Semmering, besonders an Klara, die immer für mich da war. Wir trafen uns in regelmäßigen Abständen im Gasthaus Jägerwirt, tauschten Neuigkeiten aus und schwelgten in Erinnerungen. Meist stand auch ein Thema zur Debatte.

Ich habe diese Begegnungen stets akribisch in meinem Tagebuch festgehalten. Diesmal möchte ich weit zurückgreifen, nämlich auf das Jahr 1998. Unser Treffen fand damals am 15. März d.J. statt und es war gerade Fastenzeit. Damit stand auch unser Thema fest.Wir hatten gerade unseren zehnten Fasttag hinter uns und es lief bisher recht gut.

Als QuereinsteigerIn hat man es leichter; die ganz Harten und Frommen hatten schon am Aschermittwoch mit dem Kasteien begonnen. Die Regeln legte man selber fest. Am besten schriftlich; man vergisst ja so leicht. Auf dem Zettel an Klaras Kühlschranktür stand: kein Fleisch, keine Süßigkeiten, keinen Alkohol. Von Zigaretten stand dort nichts. Also rauchte Klara weiter. Zwar um ein paar Zigaretten weniger pro Tag, aber eine völlige „Glimmstängel“- Abstinenz schaffte sie auch diesmal nicht. Das mit dem Fleisch war noch das Leichteste. Wenn man Fisch, Käse und Spaghetti so gerne mag. Ab und zu eine Leberkässemmel- Attacke im Supermarkt, das war der einzige Schmerz. Die Süßigkeiten; na ja. Immer wollte man, was man nicht haben durfte. Überall grinsten einen Schokoladehasen ins Gesicht. Einem von ihnen ein Ohr abbeißen wäre schön gewesen. Noch 28 Tage bis Ostersonntag. Das war viel. Viel Tee trinken. Den Körper entgiften. In Kräuterpfarrer Weidingers Kolumnensammlung blättern. Der gute Mann hatte ja so recht. Fasten macht frei und froh. Wenn nur der Kohldampf nicht wäre und dieses blutleere Gefühl im Kopf. Warum eigentlich fasten? Warum so gemein zu sich sein? Die Waage sagte: darum. Drei Kilo sind schon weg. An strategisch eher ungünstigen Stellen. Triumph des Willens. Weitermachen! Der Freitag war sehr hart. Da tranken wir zum Feierabend im Büro immer Prosecco. Immer hatte eine Kollegin einen Grund, eine Flasche mitzubringen: Liebeskummer, Liebesglück   oder einfach, weil Freitag war.

Seid nicht so streng zu euch, Mädels, sagten die anderen. Nur ein Schlückchen. Kein Schlückchen. Ihr kriegt uns nicht. Eintrag ins Tagebuch: Bravo! Gut gemacht! Schon zehn Tage durchgehalten. Ein Gefühl wie Champagner. Und keine wurstigen(!) Wellen mehr an den Oberarmen.

© Renate Plöchl, 06763138390

 

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