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Nun ist schon Mai, der Monat des Muttertages, der Monat der Mutter aller Mütter, der Maienkönigin Maria.

Ich war vor Ostern mit der Pfarre Nordrandsiedlung auf Pilgerreise in Portugal und Galicien. Unsere sehr kompetente Reiseleiterin machte oft Betrachtungen über die Verwandtschaften und Zusammenhänge der verschiedenen Sprachen – so auch der Artikel. Das mache ich jetzt auch. Der Gott ist männlich und auch wenn wir ihn uns nicht als Mann vorstellen, so ist die Göttin doch eher eine Vorstellung aus der Antike oder dem Hinduismus. Wenn Gott also männlich gedacht wird, dann ist die Gefahr groß, dass alles Männliche zu Gott wird, lächeln Sie nicht – noch immer führen sich die Männer dieser Welt wie kleine Götter auf, oft schon die Buben, wir kennen die Götter in weiß, die Anreden für Papst, Bischöfe, früher auch für Priester.   Sophia, die Weisheit, kommt in der Bibel auch vor, sie war schon vor der Schöpfung neben Gott da, lesen wir, aber sie hat man gern totgeschwiegen. Na, vieles ist ja in der Geschichte auch das Gegenteil von weise. Wir kennen den Mann und die Frau, aber das Fräulein, das Mädchen. Ist eine nicht verheiratete Frau keine Frau? Die Sprache ist verräterisch. Der kleinste Bub ist schon männlich, das älteste Fräulein noch immer nicht. Weiblichkeit ist immer ein Mysterium gewesen – für Männer, doch die schrieben in vergangener Zeit, die bildeten Sprache. Und so kennen wir sogar das Weib. Dieses Wort war ja früher ein schönes ehrfürchtiges Wort, doch raubte es Frauen doch ihre Weiblichkeit, später sagten die lieben Ehemänner dann meine kleine Frau, um sich selbst größer und männlicher zu fühlen.

In Portugal oder zumindest, dort wo ich überall hin kam, wird Maria stark verehrt. Sie ist ihre liebe Frau. Sie ist die Jungfrau und wenn man dieses Wort nicht an einem gynäkologischen Befund festmacht, dann bedeutet das aus dem Hebräischen übersetzt: junge gläubige Frau. Und diese junge gläubige Frau hat ein Kind erwartet und war

schwanger. Haben Sie   schon eine Darstellung einer schwangeren Maria gesehen? In Galicien gibt es einige Darstellungen aus alter Zeit. Maria ist eine Frau unter Frauen, der man gern über den Bauch streichen möchte. Meist ist Maria   schlank, schön, sogar noch jung, wenn sie den toten Jesus am Schoß hält, dargestellt. Die Erhöhung hat ihr das Menschliche genommen. Weil der männliche Gott so streng und unnahbar wurde, Jesus ebenfalls, nur nach Bußen und Beichten war man eventuell würdig ihn in der Kommunion zu empfangen, wurde Maria zur Göttin der Demut und des Schutzes erhoben. Ein Vorbild für alle Frauen, das nicht erreicht werden konnte, aber doch eine Mutter unter deren Schutzmantel es zu leben war und ist.

Und dann stand ich in Fatima. Hirtenkinder haben dort vor 102 Jahren immer wieder die Mutter Gottes gesehen und gehört, von ihr Aufträge bekommen den Rosenkranz zu beten und Opfer zu bringen. Warum will Maria gerade den Rosenkranz und die Fatimazusätze: O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen? Warum leidet sie so, wenn ihr unbeflecktes Herz beleidigt wird. Sie ist doch im Himmel? All das ist für mich schwer zu verstehen.   Aber diese Hirtenkinder ließen sich ansprechen und es war nicht leicht für sie. Sie kamen sogar ins Gefängnis, denn die Behörden wollten ihnen nicht glauben. Die letzten Erscheinungen wollten die Oberin und der Beichtvater der Seherin Lucia vertuschen. Es ist ja auch schwer zu glauben, was es so alles zwischen Himmel und Erde geben soll. Und es ist eigenartig, was die Kirche alles auf die Beine stellt, wenn ein Ort mal als Erscheinungsort gilt. Eine Kirche mit 9000 Menschen Fassungsraum, ein riesiger Freiplatz mit fixer überdachter Bühne für Pilgermessen zu den Jahrestagen der Erscheinungen und jede Menge tolle Infrastruktur. Und in all dem finden die meisten, auch ich, ihre Momente des Da seins im Glauben, ob beim Rosenkranzgebet oder einer Pilgermesse, beim Entzünden einer Kerze oder beim Besuch der Gräber der Seherkinder, ob beim Staunen über die Größe der Anlage oder beim Wandern in den Hirtenfeldern und, und. Dass Gott, oder seine Himmelswesen uns ansprechen, das glaube ich sehr wohl. Es wird die Sprache sein, die wir verstehen, wir müssen nur bereit dazu sein. Den Zeitpunkt entscheiden nicht wir

-Elisabeth Eichinger

 

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