Eine Sommernacht in Wien

Veröffentlicht von

Liebe Gemeinde!

Ganz in der Nähe ist der Wein gewachsen, der auf dem Tisch steht. Auf der Terrasse sind Lichtnester verteilt, wie kleine Abendsonnen zwischen Steinen. Die Gastgeber wärmen ihre Freunde mit Herzlichkeiten und mit warmen Jacken, falls der Abend noch kühler werden möchte. Jetzt ist er noch weich, als würde der Mistral durch die Reben fahren und durch die Sommerkleider. Dämmerung , aber immer einen Hauch heller als unten, wo die Stadt wirklich zu Füßen liegt! Schöne Trugspiele in der Geografie von Wien: Schau, der Stephansdom sieht viel näher aus, als er ist, und Transdanubien ist enger an die City gerückt.

Einige, die per SIE gekommen sind, werden per DU auseinandergehen. Später dann, viel später. Das herrliche Essen, in etlichen Akten, zieht sich in die Nacht hinein; das lichte Riesenrad macht die Stadt da unten zu einer Postkarte. „Was für einen Frieden und was für eine Schönheit wir hier haben“, sagt jemand , „und falls da unten grad irgendwo einer dem anderen an die Gurgel oder an die Stoßstange fährt, hört man es nicht herauf.“

Jetzt zieht ein Gewitter auf oder nicht? Der Wind ist kein Mistral mehr, er rüttelt stürmisch an den Terrassenmarkisen, er stürmt ein paar Gläser und Gedanken davon. „Dann rücken wir halt näher zusammen, und näher ans Haus. Dann trinken wir noch ein Glas auf die Unvergesslichkeit dieses Abends“, sagt der Gastgeber.

Wie schön das Leben sein kann. Aber warum so selten? Wahrscheinlich selber schuld, der Mensch.

Und nicht die Läuse, von denen man glaubt, dass sie einem ständig über die Leber marschieren.

Aber die Reblaus, mäßig eingeetzt, die ist schon gut.

Gut auch, dass wir alle zu Fuß gekommen sind.

© Renate Plöchl, 0676 31 38 390

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.