Genderseite

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Fällt ein Pfarrer in einen Sumpf. Er kommt nicht von allein wieder heraus. Als die Feuerwehr kommt, um ihn herauszuziehen, lehnt er ab und meint: „Gott wird mir schon helfen.“ Dies wiederholt sich drei Mal. Schließlich versinkt der Pfarrer im Sumpf. Im Himmel fragt er Gott: „Warum hast du mir nicht geholfen?“ Die Antwort: „Ich habe dir geholfen, in dem ich dir die Feuerwehr schickte. Doch du nahmst die Hilfe nicht an.“

Ein sehr komischer Witz, doch an ihn musste ich denken, als ich im heurigen Sommerurlaub die Hl. Messe in Kaltern, Südtirol, besuchte. Im Evangelium ging es um die Berufung der Jünger und mir schwante Böses. Tatsächlich kam weder in der Predigt noch in den Fürbitten oder sonst welchen Texten etwas Weibliches vor. Wir beteten für Missionare und Laien im Dienste der Kirche und natürlich für Priester und dies sollten wir weitertun, denn es benötige viele Arbeiter Gottes. Und jetzt verstehen Sie vielleicht den Witz. Gott schickt die Hälfte der Menschheit vorbei, nämlich die Frauen und sie werden nicht angenommen. Statt dessen beten wir unentwegt zum Heiligen Geist- so wird also die Kirche versinken.

Nein so schlimm ist es nicht, weil ja Frauen trotz aller Diskriminierung weiter werkeln und tatsächlich gibt es ja in vielen höheren Kirchenämtern, die keiner Weihe bedürfen, auch Frauen und oft müssen sich Frauen in Texten nicht mitdenken, sondern werden doch tatsächlich erwähnt.

Die 28 jährige Theologin Jacqeline Straub will Priesterin werden, fühlt sich berufen und trifft auf die

hinlänglich bekannten Argumente, dass Jesus nur 12 männliche Apostel berufen hat. Sie argumentiert dagegen: ja es waren Männer, aber jüdische Männer und in der Zwischenzeit werden nicht zwölf, sondern viel mehr berufen. Sie könnte konvertieren, Priesterin könnte sie bei den Evangelischen, Altkatholischen und in der anglikanischen Kirche werden, doch sie will ihre Heimat nicht verlassen, und die ist mal die katholische Kirche.

Bei der weltkirche.tagung im Bildungshaus Schloss Puchberg im Juli erzählte Pater Franz Weber vom Amazonasgebiet. 2/3 der Kirchengemeinden werden dort von Frauen geleitet. Die sonntägliche Eucharistiefeier erleben viele Menschen in der Region nur einmal im Jahr. „Der Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern stellt eine tiefe Wunde am Leib Christi dar“ meint der Pater.

In Österreich ist die Lage nicht so prekär, doch auch hier brauchen viele am Land schon ein Auto für den Messbesuch, Frauen leiten Gemeinden, die Anerkennung aber fehlt.

Die katholische Frauenbewegung hofft daher auf eine Diskussion über Leitungsmodelle und Ämter unabhängig von Geschlecht und frei von Ängsten und Sorgen. Beim heurigen Sommerstudientag der kfb meinte die Vorsitzende Pernsteiner: „Sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft ist es dringend notwendig, Beteiligungsmöglichkeiten – insbesondere von Frauen – voranzutreiben und die Gestaltungsmacht aller zu fördern.“ Kardinal Schönborn sandte ein Grußwort:“ Es braucht mutige und engagierte Frauen, die sich aktiv in das Leben der Pfarren und in die Gesellschaft einbringen und die Zukunft der Kirche mitbestimmen“!?

Im Juni schrieben deutsche ReligionslehrerInnen einen Brief an deutsche Bischöfe, die Kirche sei bei vielen Schülern und Schülerinnen abgehackt, weil sie veränderungsresisdent sei – und unglaubwürdig z.B bei den Themen Gleichberechtigung, Sexualität und Homosexualität. Schon seien die Kinder und Jugendlichen an Glaubensthemen interessiert, doch die Institution Kirche komme schlecht an. Eine Studie besagt, dass 2060   das Kirchenvolk sich halbiert habe. Das hängt nicht nur mit der fehlenden Frauenordination zusammen, sondern   vor allem mit gesellschaftlichen Veränderungen. Doch Gendergerechtigkeit wäre so wie Wirtschafts- und Umweltgerechtigkeit ein Thema, das die Kirche wieder auf den richtigen Weg bringen könnte. Auf ein gutes neues Arbeitsjahr! – Sissi Eichinger

 

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