WORAN ICH GLAUBE

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Unzählige Schäfchen verlassen nach wie vor die Kirche wie ein sinkendes Schiff. Du nicht auch, fragt mich der Freund, den ich länger nicht gesehen hatte. Er hatte schon mit dem Gedanken gespielt, auszutreten und jetzt, sagte er, hat er endgültig genug. Du nicht auch, fragte er mich. Nein, ich nicht. Wenn ich wegen dem, was bisweilen unrund läuft, austreten müsste, hätte ich schon früher austreten müssen. Und wenn ich das alles aufzähle, was mir in der katholischen Kirche, respektive an manchen ihrer Vertreter nicht gefällt, dann sitzen wir heute noch lange beisammen, Freund.
Aber ich bin und bleibe ja nicht wegen der Nachteile, sondern wegen der Vorteile Mitglied der katholischen Kirche. Wegen der Idee des Glaubens, die manchmal besser und manchmal schlechter gelingt.
Ich mag die Stille und den Geruch eines Gotteshauses, den Versuch, ein Zwiegespräch zu führen mit Gott, wo auch immer er wohnt. Ich mag den Trost eines stillen Vaterunsers, den Versuch des Gedankens und den Wert des Gefühls, wenn ich mir vorstelle, dass irgendwann ein paradiesisches Licht sein wird. Die Kerze, die ich vor dem Muttergottesaltar anzünde, kann mir an manchen Tagen meine kleine menschliche Angst nehmen, und an manchen Tagen ist sie ein Trost. Oder eine Bitte.
Ich besuche die Menschen, die nicht mehr da sind, auf dem katholischen Friedhof, und ich erinnere mich an die grausamen Abschiede, die durch die religiösen Rituale und den Trost des Priesters ein wenig gemildert wurden.
Ich bin katholisch, ich versuche, an Gott zu glauben, und der eine oder andere kirchliche Vertreter, der mir nicht passt, wird mir das nicht nehmen können. Ich glaube an die Kraft des Papstes, selbst wenn im Vatikan manchmal seltsame Dinge geschehen.
Jedenfalls glaube ich daran lieber als an die Wallstreet, die Autoindustrie oder das Götzenglück der wackligen Wirtschaft.

© Plöchl Renate 0676 31 38 390

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