Genderseite

Veröffentlicht von

Bravo, die Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen schreitet fort. In Österreich haben wir jetzt eine Regierung mit ausgeglichenem Geschlechteranteil. Wenn das nur kirchlich auch nur ansatzweise so wäre!

Zu Weihnachten bekam ich ein Buch geschenkt, dass sich mit „Fake News“ aus der Bibel beschäftigt. Der Autor und Theologe Simone Paganini erzählt unter anderen von Dingen, die wir aus der Bibel zu wissen glauben, die aber so gar nicht drinnen stehen. Weil wir ja Ende Jänner den ersten von Papst Franziskus ausgerufenen Bibelsonntag gefeiert haben, nehme ich dies zum Anlass, mich jetzt mit Gender – Falschnachrichten zu beschäftigen.

Es geht gleich los am Anfang der Bibel mit den beiden Schöpfungsberichten. Im ersten sind Frau und Mann gemeinsam Abbild Gottes. Das steht so da, aber es wurde von den Kirchenmännern gern überlesen. Im zweiten Schöpfungsbericht formt Gott aus Lehm den Adam = Erdling und bepflanzt für ihn den Garten Eden. Schöpfungsberichte gibt es ja in den meisten Kulturen und so formt   auch in der griechischen Mythologie Prometheus den Menschen aus Lehm. Nun ist der Erdling der Bibel aber nicht glücklich, weil ihm eine Hilfe fehlt. Alle Tiere, die Gott für ihn macht, passen nicht zu ihm. Da entnimmt Gott Adam eine Rippe, so meinen wir zu wissen und formt ihm eine Frau. Er ist nun froh, den Frauen wird man forthin vorwerfen, dass sie ja nur eine Hilfe sind, und quasi ja nur aus einem Teil des Mannes entstanden sind und noch dazu aus einem gebogenen, das heißt, sie haben sich ihr Lebtag unter der Gewalt des Mannes zu ducken. Neuere Forschung meint zwar, die Rippe soll ja nur sagen, dass die Frau ebenfalls ein Erdling ist, eine hebr. Ischa zum hebr. Isch = Mann, aber auch das hat man gern vergessen. Wenn man aber genau aus den hebräischen übersetzt und das Alte Testament wurde ja auf hebräisch geschrieben, dann ist die Rippe eigentlich die Seite, das heißt, sie ist die andere Seite von ihm. Das kommt dem später geschriebenen ersten Schöpfungsbericht schon viel näher und ordnet die Frau auch nicht unter. In einem ähnlichen griechischen Mythos waren die Menschen vorerst Kugeln mit 4 Armen und Beinen und zwei Köpfen. Weil sie den Göttern zu wendig waren, hat Zeus sie auseinander geschnitten, Apollo die Haut verschlossen und nun suchen sich die Teile ihr Leben lang. In der Umarmung und sexuellen Verbindung wird ihre Sehnsucht kurz mal gestillt. In diesem Mythos gibt es übrigens auch gleichgeschlechtliche Paare. Der Sündenfall ist zum besonderen Verhängnis für die Frauen geworden. Hat sie doch zuerst von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen. Sie ist seit dem moralisch unzuverlässig und muss daher vom Mann beaufsichtigt werden, vom Mann, der von ihr die Frucht nahm ohne etwas zu sagen, ohne Einwand, einfach blöd. Aber das darf man in Machtpositionen wohl sein. Übrigens was aßen die beiden –na? Nein, der Apfel wird in der Bibel nicht erwähnt.

Ein Sprung ins neue Testament! Da wird Maria Magdalena zur Gefahr für die neu entstehende Männerkirche. Also was macht man mit der Freundin, manche nicht biblische Quellen sprechen auch von der Frau, Jesu? Was machen Bibelausleger, also meist Kirchenväter und Kirchenlehrer aus ihr, der mutigen Frau, die bis zuletzt am Kreuz ausharrt, (bei unserer Kreuzesgruppe und unzähligen anderen steht Maria und Johannes unter dem Kreuz, warum wohl?) und ersten Zeugin der Auferstehung? Sie wird mit einer namenlosen Sünderin identifiziert, die Jesus mit ihren Tränen die Füße wäscht und mit den Haaren trocknet, mit der Frau, die kostbares Salböl an Jesus verschwendet, mit der Ehebrecherin, die von Jesus vor der Steinigung bewahrt wird und mit einer ägyptischen Prostituierten aus dem dritten Jahrhundert. Auch der unmögliche Zeitunterschied hat niemanden gestört, wenn es nur dem Zweck der Diskreditierung der Wahrscheinlichen-Apostelin nützte.

Und so ist unsere Kirche hoffnungslos patriarchalisch und die Priester müssen auch noch zölibatär leben, obwohl doch ihre Vorgänger, die Apostel, verheiratet waren – Petrus hatte eine Schwiegermutter. Die biblischen Befunde zementieren also unsere jetzige Situation nicht ein, jedoch das Denken an Macht und Pfründe und das ist der Kirche Jesu Christi wohl unwürdig,

meint Sissi Eichinger

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.