Opernball

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Ist das nicht zu hundertzwanzig Prozent unwichtig? Wer wem die Schau stehlen will oder wird und welche Dame welches Kleid auf dem Leib hat? Ob, und wenn ja, wie sehr die Debütanten aufgeregt sind und welcher Tänzer ein Problembär ist, weil er dauernd den Damen auf die hauchdünnen Satin-Schühchen trampelt.

Muss man wirklich wissen, was ein paar Würstel kostet auf dem Opernball, und wie die Familie da in der Loge ganz hinten heißt und wen die eingeladen haben? Was soll denn bitte interessant daran sein, dass einer einen Orden trägt und ein anderer ein ganzes Tablett voll und ein dritter den nackten Frack zeigen muss, weil er noch immer keinen Orden hat? Und dann noch der ganze Abendtäschchen-Wahnsinn und die Debatten darüber, ob man eine Uhr tragen darf (oder warum nicht)?

Und die Meldungsüberschwemmungen von der Mörtel-Front wegen seiner bezahlten und unbezahlten Eskort-Damen.

Und ob es Leute gibt, die einander großräumig ausweichen auf dem Opernball. Und Ehepaare die nur so tun als ob und sieben Logen weiter sitzt die Geliebte. Und wer reicher ist und wer schöner ist – reicher als wer und schöner als wer eigentlich? Oder das ganze Palaver und die knallharten Interviews („Wie gefällt es Ihnen auf dem Opernball?“ „Großartig gefällt es mir auf dem Opernball!“ „Vielen Dank für das offene Gespräch und eine schöne Nacht noch !“)

Also bitte. Was soll daran interessant oder spannend oder wichtig sein? So wichtig, dass ganz Österreich im sogenannten Ballfieber ist, und es gibt keine Medizin, die das Fieber senken könnte. Warum nur ist das so?

Ich weiß es auch nicht.

Ich weiß nur, dass ich wiederum vor dem Fernseher sitzen werde.

Und ich werde nicht wegzappen bis der letzte Gast aus dem Bild getanzt ist.

Der Opernball, einfach wundervoll.

© Plöchl Renate 0676 31 38 390

 

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