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Wenn Sie diesen Artikel lesen, weiß ich nicht wie unsere Welt aussieht. Das Coronavirus bestimmt unser Leben, mehr oder weniger.

Ich blicke auf die Osterfeierlichkeiten zurück, die heuer ganz einmalig waren, aus leeren Kirchen oder Pfarrsälen, aber mit Auferstehungsbotschaften, die besonders unter die Haut gingen. Ohne Familienfeiern vorbereiten zu müssen, hatte ich viel Zeit zum Fernsehen. Ich sah einen Film über den Papst, der als Oberster der Christenheit gegen all die Ungerechtigkeiten dieser Welt ankämpft, der ermahnt, ins Gewissen redet, Mut macht, erschüttert ist, was Menschen einander so antun. Und ich sah ihn dann zu Ostern im Petersdom, gebückt und klein, nicht nur durch die Mächtigkeit der Kathedrale sondern auch durch seiner Bürde. Kaum konnte er allein gehen, die mitfeiernden Priester liefen ihm beim Auszug davon, er wankte allein nach. Ist dies ein Bild für den Vatikan?. Da will ein Papst eine Kirche, die sich ändert, aber er bleibt damit anscheinend allein. Er fordert Armut mit Radikalität, man merkt richtig den Beton in den Mienen seines Umfeldes.

Gottesdienste im Stephansdom – der Kardinal fand viele gute Worte,   er feierte mit wunderbarer Musik und hoffentlich ganz vielen Menschen vor den Fernsehern. Vor 75 Jahren lag der Dom in Schutt und Asche. Er wurde wieder aufgebaut, ein Zeichen für die Zeit nach Corona?! Der Dompfarrer Toni Faber führte durch seine Pfarrkirche, unsere Stephanskirche, in der die neue Riesenorgel auf ihre Weihe wartet. Als Fastentuch ein riesiger lila Pullover vom Künstler Erwin Wurm. Er sollte uns an die Wärme der Nächstenliebe erinnern. Viele von uns fühlen sich nun einsam, der Berührungen beraubt. Ja Wärme gibt uns ein Telefonat, ein Videochat, ein Gespräch oder Winken aus der Ferne, aber es fehlt was. Wir Menschen sind aufeinander bezogen. Die Wärme der Nächstenliebe versuchen viele in den neuen HeldInnen berufen weiterzugeben, hoffentlich dankt es ihnen die Gesellschaft mit mehr Gehalt.

Der Pullover der Nächstenliebe ist abmontiert, aber viele, die ihre Arbeit verloren haben, oder sonst irgendwie in eine Krise geraten sind, werden unserer Nächstenliebe noch lange brauchen. Im Dom stehen auch einige Exponate von Erwin Wurm, die die Schieflagen und Dellen unserer Gesellschaft symbolisieren sollen. Corona hat da vieles aufgezeigt. Wenn wir uns im Land mit vielem nicht mehr versorgen können, weil wegen Profit ausgelagert wurde, wenn Familien sich nicht aushalten, Kinder zu Störfaktoren werden, weil man sich in normalen Zeiten nicht so oft sehen und aushalten muss, wenn die Pflege unserer Alten, Kranken und Behinderten ohne ausländische Hilfe nicht geht, wenn allen möglichen Menschen für ihren Einsatz gedankt wird, nicht aber den Putzkräften, wenn Berufe mit hohem Frauenanteil schlecht bezahlt werden und Frauen weniger verdienen als Männer, wenn es in immer mehr Berufssparten zu einem modernen Sklaventum kommt. … Die Kunstwerke wurden aber vor Corona geschaffen und der Künstler hat also noch an viele andere Schieflagen auf unserer Erde, in unserem Land und unseren Familien gedacht. Er bezeichnet sich als Nichtkatholik und so weiß ich nicht, ob   er auch   die Schieflagen in unserer Kirche gemeint hat.

Den Coronaverboten fallen heuer einige Vorträge der deutschen Journalistin und Theologin Christiane Florin zum Opfer, die schon 2017 das Buch „Der Weiberaufstand“ geschrieben hat. Es handelt von einem Aufstand, der nicht stattfindet. Frauen arrangieren, oder ärgern sich über die Betondecke, die die geweihten Männer in der katholischen Kirche eingezogen haben, um Frauen vom Priesteramt auszuschließen. Eine Schieflage, die die Würde der Frau massiv angreift, aber einfach mit Tradition und Papstworten, denen nicht zu widersprechen ist, begründet wird.   Männer werfen vor, warum nicht gekämpft wird. In den 80er Jahren kämpften Frauen, die einen verloren ihren Lehrstuhl, die anderen wurden exkommuniziert. Daher gehen viele Frauen heute einfach weg. Den evangelischen Karfreitagsgottesdienst im Fernsehen leiteten ein Mann und ein Frau. Eine Pfarrerin zu hören, das war schön, denn ohne etwas an den von Männern zelebrierten Feierlichkeiten   aussetzen zu wollen, tut es doch gut, bei 58 % weiblicher Weltbevölkerung, auch eine weibliche Stimme und ihre Meinung zu hören. Alles Liebe Sissi Eichinger

 

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