Genderseite

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Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind die Bibliotheken wieder offen. Die Österr. Nationalbibliothek bietet aber auch online einiges. Unter dem Titel „Ariadne“ sammelte man Frauenliteratur bis in die Nachkriegszeit.   Im Portal „Frauen in Bewegung“ kann man die Erfolgsgeschichte der Frauen vom Hascherl zur selbstbestimmten Person im 19. und 20. Jhdt. nachlesen. Leider ist Aktuelles schwierig zu finden, da steht das Urheberrecht oft im Weg. Die immer sehr pointiert formulierende Dichterin Marie von Ebner Eschenbach schrieb im 19. Jhdt.: „Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt!“ Darum sollten Frauen im antiken Griechenland und Rom nicht gebildet sein. Jüdische Mädchen durften auch nicht in die Schule gehen und so brauchten die biblischen Briefeschreiber auch nur an Männer adressieren. Natürlich gab es immer Ausreißerinnen, die trotzdem lasen und schrieben wie die griechische Dichterin Sappho. Und natürlich gab es auch Jüdinnen, die lesen und schreiben konnten und unter dem Verbot, öffentlich in der Synagoge aus der Tora zu lesen, oder über Textstellen zu diskutieren, litten. Frauen standen zur Zeit Jesu in der Synagoge hinten und schwiegen, das hat ja auch später Paulus von den christlichen Frauen verlangt. Was sagt Eschenbach noch: „Eine gescheite Frau hat Millionen geborene Feinde – alle dummen Männer!“ Ja, natürlich gab es auch immer Männer, die sich über gescheite Frauen freuten. Schließlich sollen wir Menschen ja nach dem Schöpfungsbericht für die Erde Sorge tragen und, das schaffen kluge Menschen besser als dumme. Im Webportal „Frauen in Bewegung“ liest man auch von Paula Hons, die bereits 1932 in einer für Frauen geschriebenen Wochenzeitschrift zum Thema „Frau in der Kirche „ Priester und Priesterinnen fordert.

Im Mai feierten wir den Guten-Hirten-Sonntag. Im Johannesevangelium hörten wir vom Hirten, der durch die Tür in den Schafstall kommt und den Räubern, die sich sonst wo einschlichen. Wir konnten uns fragen, ob wir uns auf Räuber in unserm Leben einlassen, ob wir vielleicht selbst irgendwo in unserem Leben wie Räuber sind. Die Schafe kennen ihren Hirten an seiner Stimme, kennen wir unseren guten Hirten, noch, oder haben die Räuber das Kommando über unser Leben schon übernommen? Jetzt könnten wir lange darüber nachdenken, wie viele Lebensbereiche da betroffen sind und das wurde es ja auch in den Predigten. Schließlich enthüllt der Text, dass Jesus die Tür ist, oder auch dieser Hirte. Wir kennen aber auch den Priester als Hirten, der Bischof schreibt sogar Hirtenbriefe. Und nun beteten wir an diesem Tag für geistliche Berufungen und dafür, dass Menschen dem Ruf des Herrn folgen. Wollen das die Kirchenmänner wirklich? Oder sollen sich Frauen doch eher zur Schafsherde berufen fühlen? In Coronazeiten haben es Hirten schwer. Sie wandern mit ihrer Herde durch ein enges Tal, durch Abgründe, müssen mutig sein, sich vielleicht schmutzig machen, das Leben riskieren, was das immer heißen mag. Manchmal wird der Hirte etwas ein bisschen anders machen müssen, als der Oberhirte glaubt, weil der die Verhältnisse vor Ort nicht kennt, trotzdem verantwortungsvoll. Wieder einmal würde ich mir aus ganzem Herzen wünschen, wenn bei all den Entscheidungen mehr weibliches Denken dabei sein könnte. Am 14. Juni haben wir das nächste Hirtenevangelium. Jesus sendet seine Apostel zu den Menschen, die wie Schafe ohne Hirten sind. Aha, da haben wir eine Stelle, die das Priestertum der katholischen Männer belegt.   Nach dem   alle Gesendeten beim Namen genannt wurden, von einem männlichen biblischen Autor, der für Männer schreibt (siehe oben) gebot Jesus: „Geht nicht zu den Heiden, sondern geht zu den verlorenen Schafen Israels.“ Nun, das haben die Jünger nicht lange gemacht. Nach ein paar Jahren hat sich das neue Christentum geöffnet und seine Erfolgsgeschichte   begonnen. Also wenn nicht einmal Jesu Wort in Beton gegossen ist, dann doch wohl auch nicht ein Papstwort, das diskriminierend und verletzend ist. Amen.

Alles Liebe Sissi Eichinger

 

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