Genderseite

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Ich bin zur Zeit des Verfassens dieses Artikels in Warmbad Villach auf Reha. In der großen Stadtpfarrkirche habe  ich   ein Fronleichnamsfest erlebt mit Umzug von Seitenaltar zu Seitenaltar – mit viel Gesang. Da war es im Pfarrhofgarten wohl besser, aber Kärnten hat ja kaum Kranke. Umgezogen sind drei Priester, drei Ministranten und im devoten Abstand, eine junge Frau, die Mesnerin.  Am Ende der Feier wurde vom Zelebranten allen gedankt, auch den Lesern und Sängern, obwohl die ausnahmslos weiblich waren.

Zwischen den Therapien und besonders an Wochenenden hat man hier viel Zeit am Pool oder im Zimmer zu relaxen und zu träumen, wie  Urlaub halt. Und da habe ich geträumt:

Ich war jung und wollte Priesterin werden. Und nichts sprach dagegen. Ich trat also in das Priesterseminar, wie es wirklich hieß, weiß ich nicht und studierte Theologie. Im Seminar tauschten wir Männer und Frauen viele Ideen aus, was wir in unseren Pfarren dann tun wollten, um sie zu beleben. Der Zölibat machte uns etwas Sorgen, aber mit Gottes Hilfe würden wir das schon schaffen. Nach der Weihe kam  dann die erste Anstellung als Kaplanin in einer großen Pfarre. Zuerst das etwas schüchterne Herantasten an den Pfarre, die Leute und ihre Traditionen. Ich war natürlich für Kinder und Jugend zuständig. Also hinein in die Gruppen, plaudern, spielen, zuhören. Die MinistrantInnen machten mir viel Freude. Ich gab ihnen viele Aufgaben, versuchte sie mit allerlei Ideen zu motivieren, bezog die Eltern mit ein. Die Jugend besuchte ich oft bei ihren Zusammenkünften. Sie würde unsere Pfarre später dringend brauchen. Ich suchte mir helfende Hände, denn ich hatte nur zwei und merkte, dass ich allen, die sich engagierten, viel zutrauen musste, sie nicht einschränken durfte, schließlich lernte ich von  allen viel. Gut, dass ich zölibatär lebte, denn ich war selten zu Hause, aber es brannte ja ein Feuer in mir. Freilich gab es auch Enttäuschungen und da half das Gebet, das  mir sehr wichtig war. Aber manchmal wünschte ich mir dann doch einen Partner, mit dem ich von Angesicht zu Angesicht reden  konnte. Schwer,   merkte ich, würde es mir immer fallen, mit Schicksalsschlägen umzugehen, Menschen in ihrer Not beizustehen und eigentlich hilflos zu sein. Ich wurde älter und ich blieb nicht Kaplanin. Ich wurde Moderatorin in einer anderen Pfarre. Nun hatte ich echt Verantwortung, auch Bauvorhaben, Finanzen uns anderes weltliches gehörte nun zu meinem Aufgabengebiet. Wieder alles neu. Wieder, reden, zuhören, besuchen, sowohl die   Pfarrgruppen als auch privat. Nun konnte ich mit wieder vielen unterstützenden Menschen eine Pfarre leiten. Nicht zu unterschätzen lernte ich den Ambo. Ich bat die Leute jede Hl. Messe für sie unter ein bestimmtes Motto zu stellen. Ich ließ Pfarrprobleme oder Aufgaben oder Aufmunterungen oder…. in meine Predigten einfließen, versuchte, irgendwie den Spagat  zwischen alt und jung hinzukriegen und wollte keine Messe ohne etwas Humor feiern. Je älter ich wurde, desto anstrengender wurde alles, auch die Nörgler und Bremserinen kosteten viel Kraft. Noch immer verstand ich einerseits das positive des Zölibates für mich, ich war die Herrin meine Zeit, aber das Alleinsein tat  oft auch weh. Ich versuchte meine Pfarre zu einer guten Gemeinschaft zu machen. Das gelingt laut Psycholgie durch gemeinsame Aufgaben oder gemeinsame Feinde. Auf zweiteres wollte ich nicht zurückgreifen und so musste ich wieder viel reden, fragen, telefonieren und auch vorpreschen. Jetzt taten mir schon so manche Knochen weh und ich hätte mich gern zurückgezogen, doch wohin, ich hatte keine Familie. Ich hatte ein erfülltes wunderschönes Leben, wenn auch mit einigen Problemen, aber jetzt? Wie mein Priesteronkel sagte: „Der Zölibat ist doch nicht gut, jetzt bin ich krank und allein, meine Brüder waren krank und hatten Familie an ihrer Seite.“

Da war mein Traum zu Ende. Ich war immer glücklich mit meiner Familie und ich hätte es auch als junge Frau nicht anders gewollt, aber warum aus Gottes priesterlichem Volk (Exodus) nur die Hälfte wirklich zum Priestertum berufen ist, das erkläre mir mal wer, komme bitte aber nicht mit der von Männern gemachten Unterscheidung vom allgemeinen und besonderen Priestertum. Schönen Sommer wünscht

Sissi Eichinger

 

 

 

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