Genderseite

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Im vorletzten Pfarrblatt habe ich davon geschrieben, dass Frauen in Statistiken kaum vorkommen, und was dies für negative Auswirkungen für mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung hat. Es gibt aber auch die verlorene Geschichte der Frau, denn aufgeschrieben haben sie Männer und Dorothy Smith, eine kanadische Soziologin hat es so ausgedrückt: „Was Männer machten, war Männern wichtig, es wurde von Männern für Männer über Männer geschrieben. Männer hörten und hören auf das, was andere Männer zu sagen haben. Weil Männer also so oft die Welt definieren, ist es ihnen auch ein leichtes, Frauen, die mit dieser Art von Definition nicht übereinstimmten ins Unrecht zu setzten    oder sie zu ignorieren.“  Das klingt hart, denken sie aber nur an den scharfen Wind der den Suffragetten, den ersten Spitzensportlerinnen und Studentinnen entgegenwehte, denken sie an das „Halbe, Halbe“ oder die Töchter in unserer Bundeshymne. Erst in den letzten Jahrzehnten versuchen Frauen ihre verlorene Geschichte zu entdecken.

In der menschlichen Vorgeschichte und teilweise in den alten Kulturen Ägyptens und im Zwischenstromland gab es das Mutterrecht. Die Frau war als Gebärerin hochgeachtet und dies zeigt sich auch in den alten Mythen und Religionen. Es gab die großen Göttinnen, die die Welt am Leben hielten. Diese Kulturen waren meist auch friedlich, welche Frau schickt ihre Kinder schon gern in den Krieg. Allerdings stützt sich die Forschung vorwiegend auf Ausgrabungen und alte Schriften, die heute auch falsch gedeutet werden könnten. Im antiken Griechenland haben wir es dann schon mit einem ausgeprägten Patriarchat zu tun.   Im Götterhimmel regiert Zeus mit mächtiger Hand, darf betrügen und vergewaltigen und so tun es die Männer auch. Die Göttinnendamen werden öfters vorgeführt, die griechische Frau darf nicht einmal beim Fenster hinaus schauen sondern muss brav im Hinterstüberl arbeiten und Kinder gebären. Der Mann ist ihr Gebieter, ob als Vater, Ehemann oder Bruder. Er darf sich alles herausnehmen, sie ist bei geringsten Vergehen auf der Straße oder des Todes. Dienerinnen und Sklavinnen geht es noch schlechter, sie stehen immer einige Stufen unter ihrem männlichen Pendent, müssen meist sexuell verfügbar sein. Im Hellenismus und im alten Rom geht es den Frauen etwas besser. Sie dürfen in die Öffentlichkeit. Und so geht es dann in der Geschichte weiter. Die vorherrschende Religion und das Schicksal der Frauen bedingen sich gegenseitig. Im Judentum zur Zeit Jesu ist die Frau in der Familie eingesperrt und darf nicht in die Schule. Jesus erweckt Hoffnungen, er redet mit ihnen öffentlich, holt sie in der Synagoge in die Mitte, aber schon seine Jünger erweisen sich als gute Vaterrechtler und die ersten Kirchenväter graben dann den zweiten Schöpfungsbericht mit „Schlange“ und „unter Schmerzen wirst du gebären“ aus – also auch Schmerzen sind für uns gottgewollt. Noch gab es die weisen Frauen, Ärztinnen und Hebammen. Die Inquisition und die Aufklärung hat auch das zu Nichte gemacht. Frauen wurde ihr Können abgesprochen und wenn sie doch heilten, waren sie mit dem Teufel im Bund oder sie heilten ohne Ausbildung, weil man sie nicht mehr lernen ließ, und wurden bestraft. So einfach ging dies. Dazwischen gab es einige Hochs und jetzt stehen wir zumindest in der westlichen Welt so gut wie noch nie da. Doch weil die Geschichte der Frau ein auf und ab ist, fürchte ich für meine Enkelinnen, wenn sie nicht gut aufpassen. Und die meist sehr gebildeten Kirchenmänner haben das wohl auch schon herausgefunden und wollen das Frauenhoch aussitzen. Sich vielleicht mit der Orthodoxie, dem Islam und dem traditionellen Judentum verbinden und schon wird alles gut – für sie.

Oder wie konnte es in diesen sensiblen Zeiten passieren, dass unser Papst seine neue Enzyklika „fratelli tutti“ nennt, also „alle Brüder“? Das sind die ersten beiden Worte von Ermahnungen des Hl. Franz von Assisi an seine Ordensbrüder und das Schreiben wendet sich an alle Brüder und Schwestern. Es geht um Geschwisterlichkeit in unserem Denken und Handeln und hinterfragt unsere Lebensweise kritisch. Das ist ja auch gut und mutig von unserem Papst, aber ein anderer Titel hätte ihm trotzdem einfallen können,  meint Sissi Eichinger

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