Genderseite

Es ist Dezember und wir freuen uns auf Weihnachten. Heuer wird alles anders sein, aber die meisten von uns werden trotzdem einen Christbaum und eine Krippe aufstellen. In der Krippe sehen wir das Jesuskind mit Maria und Josef, oft als alten Mann dargestellt. Wir erinnern uns, etwas romantisch gestimmt, an die Geburt des Messias, des Christus, des Gesalbten, des lang erwarteten Friedenskönigs. Wie idyllisch für Maria diese Geburt war, als Hilfe nur der unwissende Josef zugegen und sie eine Erstgebärende mit 15 Jahren, mag dahingestellt sein. Wenn es allerdings nach dem Dogma von der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens geht, kann die Geburt nur sehr einfach gewesen sein, sie überstand sie „unversehrt“. Die Geburtsgeschichte birgt viel Dramatik, einerseits wird der Sohn Gottes geboren, anderseits ist die Mutter eine Jungfrau und das hat leider schlechte Auswirkungen auf alle nachfolgenden Frauengenerationen.  In der Bibel berichten nur Lukas und Matthäus von Jesu Geburt, weder der vor ihnen schreibende Markus noch der später schreibende Johannes verliert dazu ein Wort. Matthäus beginnt mit dem Stammbaum Jesu auf Josef hin, der aus dem Geschlecht Davids stammte, was für den Messias unerlässlich war. Also ist Josef doch der Vater? Dann schwenkt Matthäus allerdings um und Josef nimmt seine Verlobte als Frau zu sich, obwohl sie nicht von ihm schwanger war, sondern vom heiligen Geist. Matthäus zitiert Jesaja im AT: „Siehe die Jungfrau wird schwanger sein……“. Josef „erkannte“ Maria nicht, bis sie geboren hatte.  Lukas lässt die jungfräuliche Maria vom Heiligen Geist überschatten, Josef ist ihr Verlobter und aus dem Geschlecht Davids. Mit diesem Verlobten zieht sie nach Bethlehem und bekommt dort ihr Kind. Die Jungfrau kommt ab da nicht mehr vor. Warum ist die Jungfrauengeburt den beiden Evangelisten so wichtig und den anderen nicht?

Bei Markus ist Jesus Sohn der Maria und hatte Geschwister. Johannes erzählt von Jesus als Sohn Josefs und der stammt aus dem Hause Davids. Es geht hier um Theologie, nicht um Biologie. Wichtige Persönlichkeiten haben besondere Geburten, das war im Altertum immer so. Der Messias, der Sohn Gottes konnte theologisch betrachtet nicht auf dem gleichen Weg wie alle anderen Erdenbürger auf die Welt kommen. Doch dann vermischte sich diese Theologie mit der Sexual- und Frauenfeindlichkeit der damaligen Zeit. Die Kirchenväter, als Kinder ihrer Zeit, wollten Maria stets ohne Sünde sehen. Sexualität konnten sie sich nur sündhaft vorstellen und so entstand das Dogma von der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens, ihre Ehe war also eine Josefsehe, ein älterer Mann konnte die in den Vorstellungen der Menschen besser aushalten. Die biblischen Geschwister Jesu wurden zu Verwandten umgedeutet. Der Stammbaum irgendwie überlesen oder nicht bis zu Ende gelesen. Alle Frauen, die kein zölibatäres Leben lebten, waren sündig, gerade noch die Zeugung eines Kindes ohne große Freude daran, konnte den ehelichen Akt irgendwie rechtfertigen. Die Kirchenväter haben die Geburtsgeschichte leider vorwiegend biologisch verstanden. Maria hat Eva, die in Schmerzen gebiert, abgelöst und sie wurde als unerreichtes Frauenvorbild installiert. So haben die Männer der Kirche die Frauen   klein gehalten. Heilig konnten nur Nonnen werden, oder Ehefrauen, die wie Nonnen gelebt haben.   Die Mädchenfarbe war blau, die Farbe der Reinheit, die Bubenfarbe rosa, das kleine rot, die Farbe für Blut, Krieg und Durchsetzungskraft. Erst in der Zwischenkriegszeit, als die Religion ihre Macht verlor, wurde blau, nach der Farbe der Arbeitsanzüge, die Bubenfarbe. Mädchen tragen nun das kleine rot. Hoffentlich als Farbe des Selbstbewusstseins, wie die Buben vor hundert Jahren.

Gott ist groß und warum soll Maria nicht von seinem Geist erfüllt worden sein? Der biblische Befund ist aber nicht eindeutig, vieles ist aus der Tradition entstanden und außerdem müsste Gott dann nicht doch irgendwie männlich sein? Ich will mir Gott größer vorstellen, über die Grenzen der Geschlechtlichkeit hinaus. Wie auch immer, wir feiern Jesu Geburt – Gesegnete Weihnachten!

-Elisabeth “Sissi“ Eichinger

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