Stellungnahme zur Unzulässigkeit von Segnungen homosexueller Menschen

Die vatikanische Glaubenskongregation hat am vergangenen Montag ein Dokument1) veröffentlicht, das sich mit der Frage auseinandersetzt, ob homosexuelle Menschen im Rahmen einer kirchlichen Handlung gesegnet werden dürfen oder nicht. Gleich vorweg: die Antwort aus Rom lautet „Nein“. Zugleich wird in der Erklärung betont, dass „Gott jeden Menschen liebt. Und Gleiches tut auch die Kirche, indem sie jede ungerechte Diskriminierung ablehnt.“ 2)
Ich kann nicht anders, als bei dieser Wortwahl von Heuchelei zu sprechen. Ist der Ausschluß gleichgeschlechtlicher Paare von Segenshandlungen etwa keine Form der Diskriminierung? Ich lehne es aus tiefster Überzeugung ab, an einer „gerechten Diskriminierung“ mitzuwirken, die sich als theologisch legitimiert versteht.
Jesus selbst hat niemanden abgewiesen, der seine Nähe gesucht hat und er hat niemanden wegen seiner Lebensweise ausgegrenzt. In ihm zeigt sich, dass Gott keine Berührungsängste hat! Wieso also sollte die Kirche, die in der Nachfolge Jesu steht, mit dieser menschenfreundlichen Umgangsweise (aufs Neue) brechen?

Des Weiteren: Gott selbst ist es, der segnet – wir bitten bloß darum.
Segen kann sich niemand verdienen, er ist uns geschenkt. „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!“3), sagt uns das Wort Gottes. Genau das tue ich, wenn ich Gott um den Segen für konkrete Menschen in ihren verschiedenen Lebenswirklichkeiten bitte. Gott selbst entscheidet, ob und in welcher Weise er meiner Bitte Folge leistet. Mir steht sicherlich keinerlei Urteil zu.
Da wäre dann auch noch das Argument einer möglichen „inneren Nähe“ zum Brautsegen (bzw. „Trauungssegen“), wie er im Eheritus der römisch-katholischen Kirche durch den Priester vorgesehen ist. Zugegeben, die Diskussion um die Frage, wer zu welchen Sakramenten zugelassen ist, mag mitunter kompliziert sein. Doch hier geht es um Segenshandlungen, um Sakramentalien, nicht um Sakramente. Letztlich ist es die Verantwortung des Priesters bzw. der segnenden Person, die Intention hinter der Segenshandlung unmissverständlich zu kommunizieren – wer dazu nicht in der Lage ist, sollte auch keiner Segensfeier vor-stehen. Wo diese Form der Klarheit aber vorhanden ist, dort besteht auch nicht die Gefahr, in der Segnung Homosexueller eine quasisakramentale Legitimierung ihrer Partnerschaft oder eine Analogie zum Ehesakrament zu verstehen.
Die Glaubenskongregation spricht zudem das Vorhandensein einer sexuellen Praxis außerhalb der Ehe an, wie sie innerhalb gleichgeschlechtlicher Beziehungen vorkommen soll. Warum muss die sexuelle Praxis von Menschen bemüht werden, um ihren Ausschluss von Segensfeiern zu legitimieren? Ein kluger Bischof sagte einmal zu seinem Presbyterium (sinngemäß): „Lasst uns nicht zuerst in die Schlafzimmer der Menschen blicken!“. Und wie recht er damit hatte! Das Leben ist weit vielfältiger und bunter, als auf die Frage gelebter Sexualität reduziert zu werden. Als Priester sehe ich es in meiner Verantwortung, mir dieser Vielschichtigkeit und Komplexität im Umgang mit Menschen bewusst zu sein, die das Gespräch mit mir suchen.
Heute in der Früh feierte ich in meiner Pfarrgemeinde Heilige Messe und betete dabei im Hochgebet: „Lass die Gläubigen die Zeichen der Zeit verstehen und sich mit ganzer Kraft für das Evangelium einsetzen. Mache uns offen für das, was die Menschen bewegt, daß wir ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung teilen und als treue Zeugen der Frohen Botschaft mit ihnen dir entgegengehen.“
Ja, darum bitte ich! Ich möchte, dass meine Kirche die Zeichen der Zeit versteht, anstatt zu verstauben; ich will in der Liturgie nicht leere Worte von mir geben, sondern auf Basis einer inklusiv gelebten Praxis der Gottes- und Nächstenliebe Menschen für das Reich Gottes begeistern. Der jüngste Beitrag aus Rom reiht sich jedoch nahtlos in eine Rei-he missglückter Äußerungen ein, die jedes Feingefühl für die „Zeichen der Zeit“ vermissen lassen.
Umso mehr freut es mich, dass einige kirchliche Führungspersonen klar widersprechen (Bischof von Worms, Bischof Hermann Glettler und weitere) und auch viele Pfarrgemeinden in meiner Umgebung reagieren. Ich hörte davon, dass Regenbögen vor Kircheneingänge gemalt werden sollen. Was für ein schönes Zeichen! Wir werden daran erinnert, dass Gott mit uns einen Bund geschlossen hat – mit uns allen.

Hannes Grabner
Seelsorger der Kath. Jungschar der ED Wien
Regionalseelsorger der Jungen Kirche Wien
Kaplan der Pfarre Leopoldau
Weitere Beiträge, Stellungnahmen, Down-loads, Links usf. finden Sie auf
https://segenfuer-alle.at/

  1. http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20210222_responsum-dubium-unioni_ge.html#_ftn2
    2) ebd.
    3) Mt 7, 7

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