Genderseite

Wir haben Ostern gefeiert. Papst Franziskus predigte in der Osternacht, wir mögen die Hoffnung nicht zu verlieren. Eine Botschaft des Osterfestes sei, dass es immer möglich ist, neu anzufangen. Der Papst rief die Gläubigen auf, sich „von den Wegen Gottes überraschen zu lassen“. Nun, die Männerkirche aus Rom überrascht leider nie. Entweder hat sie wirklich die absolute Wahrheit gefunden, oder für sie gilt der vorige Satz nicht.

Pater Klaus sprach in einem Gottesdienst: „in der Taufe sind wir alle Geschwister geworden“. Stellen Sie sich eine österreichische Familie vor, in der nur die Söhne den gewünschten Beruf ergreifen dürfen. Heute unverständlich, natürlich noch nicht in vielen anderen Ländern und – in der katholischen Kirche. Unser Heiliger Vater hat gesprochen!   Doch feministische Forderungen hören nicht auf, solange es Frauen   in der Kirche noch aushalten. Feminismus definiert sich übrigens als eine Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (traditionelle Rollenverteilung) und der patriarchalen Kultur anstrebt. Und unsere Frauenministerin will keine Feministin sein!? Wenn in den Menschenrechten steht, dass Mann und Frau gleiche Rechte und Pflichten haben und den gleichen Wert, müsste jeder aufrechte Mensch ein Feminist sein, erst ruhig schlafen können, wenn Frauen endlich die gleichen Rechte haben, die Männer schon lange für sich in Anspruch nehmen. Also sind wir Frauen oft unsere größten Feinde? Mag sein – und der Vatikan, die UN Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen in sämtlichen Lebensbereichen aus 1979 unterschrieb er nicht. Organisationen wie die Plattform „Wir sind Kirche“ oder die Pfarrerinitiative in Österreich mit 400 unterstützenden Amtsträgern und auch die Initiative Maria 2.0, ausgehend aus Deutschland, rennen gegen die starren Kirchenmauern. Maria 2.0 schlug nach dem Vorbild Luthers Thesen an die Kirchentüren, um auf die Missstände in der Kirche aufmerksam zu machen. Außer dem Zugang zu allen Ämtern für Frauen fordert die Reformgruppe das Überdenken des Zwangszölibates und des Umganges mit nicht heterosexuellen Personen, eine Sexualmoral, die zeitgemäß ist und strenge Maßnahmen bei Missbrauch. Die Frauen wollen aber in der Kirche bleiben, das wollte Luther auch, und sie wollen   gehört werden und hoffen auf Reformen, ebenfalls wie Luther.  In Österreich gab es solche Thesenanschläge auch, in Leopoldau nicht, trotzdem wurde mir aggressives Verhalten vorgeworfen. Aggression bedeutet Angriff und zielt auf den Machtzuwachs der Angreifer bzw. der Machtverminderung der Angegriffenen.   586 Jahre warteten Juden auf das Kommen des Messias, dann war Jesus da, ca 80 Jahre wartete Abraham auf seinen Sohn, 40 Jahre zogen die Israeliten von Ägypten durch die Wüste ins gelobte Land. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber katholische Frauen warten schon 2000 Jahre auf die Durchsetzung des Schöpfungsliedes, auf die Gleichberechtigung. Und Frauen sollen da nicht aggressiv sein? Ich finde, was uns die Amtskirche antut ist aggressiv. Sich hinter Floskeln und Dogmen verstecken (die Kirche kann nicht…..)! Zu sagen, weil die Weltkirche nicht bereit ist, weil Frauen in anderen Ländern weniger Rechte hätten, könnte ihnen die Amtskirche nicht mehr Rechte zugestehen, ist aggressiv. Frauen auf die nächsten 1000 Jahre zu vertrösten ist aggressiv. Zwar Verständnis für die Problematik zeigen, sie aber nie erwähnen, kein Gebet, keine Bitte im Gottesdienst! All dies sind Angriffe auf die Gleichberechtigung, die Frauen zusteht, einfach aus ihrem Menschsein. Angriff muss nicht immer gewaltvoll sein, er kann auch subtil sein, die Angegriffenen zermürben, sie ins Leere laufen lassen. Diese Aggression werfe ich vielen Verantwortlichen in der Kirche vor. Ja, ich gebe zu, ich bin aggressiv und ich wäre froh, wenn ich es nicht sein müsste. Frauen sollen ja immer lieb sein und wenn sie etwas fordern, dann ist es aggressiv. Männer nennen die Dinge beim Namen, sind willensstark. Kirchenfrauen werden mit ihren Anliegen nicht gehört oder gehört und abgewimmelt. Menschen mit weniger Macht und dem Willen nach mehr Macht (Wortwahl aus der Psychologie) bleibt also nur die Aggression, wenn die Menschen mit mehr Macht das Ansinnen der Mindermächtigen als Angriff auf ihre Komfortzone sehen.  Eine Alternative wäre noch die Depression, die Abkehr von der Welt nach innen, eine Krankheit, die will die Kirche des Lebens, die Kirche des Auferstandenen doch wohl nicht für uns Frauen?  – Elisabeth „Sissi“ Eichinger

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