Genderseite

In einer Predigt eines Priesters, Frauen dürfen ja nur selten predigen und dann heißt es, ein Glaubenszeugnis abgeben: Gott hat uns an unseren Platz gestellt. Klingt gut, aber kann ich das glauben, wenn ich an die vielen Menschen denke, die an schrecklichen Plätzen leben? Dort hat sie Gott hingestellt? Oder wir Frauen –  Gott hat uns an die Plätze gestellt, wo es weniger Gehalt, weniger Berufsaussichten, mehr Altersarmut etc.  gibt und da rede ich noch gar nicht von den anderen Ungerechtigkeiten auf dieser schönen Welt? Oder stellen gewisse Götter in Wirtschaft, Politik und Religion uns an den Platz, den wir dann ausfüllen dürfen? Ein philosophisches Thema, über das wir in den Sommermonaten nachdenken dürfen.

Frauen haben oft schlechte Plätze für das Leben. Früher sind sie gern ins Kloster ausgewichen um der Plackerei und der männlichen Bevormundung zu entkommen. Den Glauben und ihre Berufung möchte ich ihnen deshalb nicht absprechen. Weil Frauen keine Priesterinnen sein können, entgingen sie der männlichen Kuratel nicht ganz. Da kam doch der Beichtvater und der Prediger ins Haus und beeinflusste so gut er konnte.

Teresa von Avilla, sie lebte im 16. Jhdt., klagte Gott, dass die Welt Frauen für unfähig halte, in der Öffentlichkeit etwas Wichtiges zu tun, oder Wahres auszusprechen und dass die Richter dieser Welt lauter Söhne Adams seien für die es keine Tugend der Frau gäbe. Therese von Lisieux lebte im 19. Jhdt. und dankte Gott für den nahen und frühen Tod. Sie wäre so gern Priesterin geworden und sie glaubte, Gott hole sie zu sich um ihr die Enttäuschung zu ersparen. Edith Stein, Märtyrerin im 2. Weltkrieg, sah keine dogmatischen Hindernisse, das Priestertum der Frau einzuführen und sie sah auch die Bereitschaft der Frauen und die Notwendigkeit auf diese Ressource zurück zu greifen.

Eine deutsche Nonne, Philippa Rath, hat ein Buch „Weil Gott es so will“ mit 153 Berufungsgeschichten geschrieben, Lebenserfahrungen von Frauen und drei Männern. Es ist erschütternd, was das Männermonopol auf das Priesteramt so anrichtet. Vorangestellt hat sie in ihrem Buch die drei vorgenannten heiligen Frauen. Einiges möchte ich ihnen nicht vorenthalten: Eine Frau erzählt von der unglaublichen Verschwendung von Fähigkeiten und Charismen. Sie sieht in der Kirche einen Baum, dessen Gärtner eifrig bemüht sind, zuströmendes Wasser eifrig abzugraben und umzuleiten. Der Baum ist schon ganz vertrocknet und trägt kaum noch Früchte. Vorbeikommende schlagen vor, dem Baum doch Wasser zuzuleiten, aber die Gärtner meinen, die Trockenheit des Baumes sei seine von Gott bestimmte Natur und mehr Wasser würde die Existenz des Baumes in Frage stellen. Dem zuströmenden Wasser wird indessen Gewalt angetan. Ja, meine ich, es ist Gewalt, wenn die Kirchenoberen das Wirken der Heiligen Geistkraft nur bei Männern anerkennen! Eine andere Frau berichtet, dass sie ihren kirchlichen Arbeitgeber verlassen musste, als ihr die Frauenfeindlichkeit des   Systems bewusst wurde und sie zu erkranken drohte.   Liturgisch einbringen können sich Frauen nur in Zusammenarbeit mit dem Priester, die Abhängigkeit ist groß und auch zerbrechlich, wenn z.B. ein neuer Priester kommt. So berichtet eine Frau von den vielen vorbereiteten Gottesdiensten, die dann aber oft ganz anders gefeiert wurden. Das ist mir in meiner Schulpfarre auch immer wieder passiert. Eine Frau erzählt von der Enttäuschung, als ihr Mann Diakon wurde und sie das nicht durfte. Theologiestudentinnen erzählen von der tiefen Traurigkeit, wenn ihre Kommilitonen sie   zur Priesterweihe einluden und für sie dieser Weg   versperrt blieb. Frauen erzählen von ihren Ängsten, ihren Priesterwunsch in der Kirche auszusprechen, wenn sie kirchlich angestellt sind. Nun können Sie sagen, eh klar, sie müssen ja die Kirche vertreten. Aber mehr als die Hälfte der Gläubigen sind Frauen. Wo haben die ihre Auftrittsplattformen, die Kanzel selten, die Kirchenzeitungen? Wenn sich eine nur etwas aus dem Fenster lehnt, wie letztlich die Vorsitzende der kfb im „Der Sonntag“, steht schon darunter, dass dies nur deren persönliche Meinung ist.  Eine Frau schreibt, ein Stück Gott bleibe wohl den Männern vorbehalten. Glauben das die Männer der Kirche wirklich? Wenn nein, dann müssen sie sich endlich für das Frauenpriestertum einsetzen und nicht die Augen verdrehen, wenn dieses Thema mal zur Sprache kommt. Schöne Ferien! 

Sissi Eichinger

Share this...
Share on Facebook
Facebook
0Tweet about this on Twitter
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.