Genderseite

Im Oktober feiern wir den Weltmissionstag. Das heurige Schwerpunktland ist Pakistan, ein Land im Widerspruch. Ein Land mit den höchsten Gipfeln der Erde, einer Atommacht inmitten größter Armut. Britische Kolonialtraditionen treffen auf teils militanten Islamismus. Minderheiten, wie die christliche Bevölkerung sind Diskriminierung und Verfolgung ausgeliefert. Im 220 Millionenstaat Pakistan leben ca. drei Millionen ChristInnen, für sie bleibt nur die Arbeit, die sonst niemand machen will, weshalb viele in bitterer Armut und Ausbeutung leben.

Das Gesetz gegen Gotteslästerung dient gern als Vorwand, ChristInnen aus dem Verkehr zu ziehen. Beleidigung des Islam kann die Todesstrafe nach sich ziehen. Das ist für alle schlimm, für Frauen wieder einmal noch mehr. Die meisten Frauen, wenn sie nicht das Glück haben in liberalen, gebildeten Familien aufzuwachsen, sind gefangen in einem starren Korsett von Traditionen und engen sittlichen Vorstellungen. Mädchen werden oft noch als Kinder verheiratet, Frauen sind oft Opfer männlicher Gewalt, dazu zählen Vergewaltigungen, Morde, Säureattentate, die meist nicht geahndet werden. Christliche Mädchen haben es besonders schwer, viele werden nicht nur entführt oder vergewaltigt sondern auch zwangskonvertiert und zur Heirat gezwungen. Manche Frauen wehren sich, so die Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai, der Talibankämpfer in den Kopf geschossen haben und die später den Nobelpreis gewonnen hat, oder Asia Bibi, die Christin, die wegen Gotteslästerung zu Unrecht im Gefängnis saß. Aus ihrem Exil in Kanada fragt sie: „Der Islam lehrt Frieden und Harmonie. Wie kann dann im Namen der Religion ausgeübte Gewalt gegen christliche Mädchen und Frauen in Pakistan rechtens sein.  Diese Frauen sind wichtige Hoffnungsträgerinnen. Missio unterstützt Organisationen, die Mädchen und Frauen stärken. Sie besuchen Näh-, Strick-, Kosmetik- oder Computerkurse, bekommen so Möglichkeit eigenes Geld zu verdienen und ihr Selbstwertgefühl und ihren Mut zu stärken. Unser Papst sagt zum Thema Religionen „Die Freiheit der Religionsausübung… rührt wesentlich vom Recht auf Religionsfreiheit her, welches das erste und grundlegende Menschenrecht ist.“ Nun leider hat dies die katholische Kirche nicht immer so gesehen, denken wir an Zwangsmission, Inquisition, Sklaverei aber auch den Zwangskatholizismus in Österreich bis Josef II. Menschen und Meinungen, auch die der Päpste,  können sich also ändern, das gibt Hoffnung!

Im Oktober beginnt auch die große Weltsynode der Kirche. Synode bedeutet gemeinsamer Weg und der soll die Kirche in besseres Fahrwasser führen. In der ersten Phase soll über 10 Themenfelder nachgedacht werden. Zur Hälfte sollen an den bereits vorliegenden Papieren Frauen gearbeitet haben. Ich lese aber wenig von Frauen, oder doch – in Punkt 2 geht es um das Zuhören. Wird Laien, besonders Jugendlichen und Frauen zugehört? Welchen Raum haben die Stimmen von Minderheiten? In Punkt 8 geht es um die Ausübung der Autorität. Bischöfe haben vieles zu hinterfragen, Frauen sollen mutig mitreden dürfen, aber doch die verschiedenen Kulturen berücksichtigen, (vielleicht die pakistanische?)

Vor mir liegt ein Interview mit der langjährigen Präsidentin der Frauenorden Österreichs Sr. Beatrix Mayrhofer, eine Frau, die sich was sagen traut. Sie meint, dass Frauen und Männer die Verantwortung für die Kirche tragen sollen und müssen und dass Frauen keine

Lückenbüßerinnen sind, die erst dann gerufen werden, wenn es gar nicht mehr geht. Es gäbe aus der Bibel heraus kein Argument, dass Frauen nicht Priester sein könnten. Die 12 Jünger stellten ja die 12 Stämme Israels dar, das neue Israel und sonst war Jesus immer von Männern und Frauen umgeben. Und beim Kreuz sind schließlich die Frauen bei Jesus geblieben. Ich möchte zum Schluss uns Hoffenden und den Priestermännern je einen Textausschnitt aus dem Abschlusslied vom heurigen Kreuzerhöhungsfest ans Herz legen: Aufbrechen, Zukunft wagen, die Unterdrücker werden untergehen, Gott wird dich weitertragen, er wird auf deiner Seite stehn. Aufbrechen, Zukunft wagen, nicht immer ängstlich rückwärts schaun. Gott wird dich weitertragen, du kannst auf seine Hilfe bauen.

Sissi Eichinger

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