Genderseite

Ein neues Kirchenjahr hat begonnen und während ich diesen Artikel am 15. November schreibe, ein Pfarrblatt braucht ja Vorlaufszeit, weiß ich noch nicht, wie unser Zusammenleben jetzt Corona bedingt ausschaut. Die Bischöfe wollen im synodalen Prozess auf uns hinhören. Der Vatikan, versucht Frauen in Leitungspositionen zu bringen, allerdings nur dort, wo es einer Weihe nicht unbedingt bedarf. So gibt es jetzt nach einer Untersekretärin der Bischofssynode (sogar mit Stimmrecht) und einer Vizeleiterin der vatikanischen Entwicklungsbehörde auch eine Vizeregierungschefin. Alle drei sind Ordensschwestern, ich habe gar nichts gegen Nonnen, aber ein etwas schiefes Licht auf die vatikanischen Auswahlkriterien fällt da wohl schon und irgendwie stören bei den Berufsbezeichnungen auch die „Unters“   und „Vizes“.

In einem Interview in den Salzburger Nachrichten sprach die Priorin des stets wachsenden Benediktinerinnenklosters Köln Emmanuela Kohlhaas Klartext. Als Ordensfrau sei sie keinem Bischof zu Gehorsam verpflichtet sondern Gott, dies wäre auch ein Weg für die Priester, die ja ihrem Bischof Gehorsam versprechen. So kann aber wenig weitergehen, weil es quasi wie bei Militär oder auch in der Schule eine Befehlskette oder wie es die Schwester ausdrückt einen Vasallengehorsam gibt. In ihrem Kloster gehe es um die Fragen, was dem Leben diene, was es zur Entfaltung brächte, der Verheißung der frohen Botschaft. Als Priorin sei sie auf Zeit gewählt. Sie meint, auch Bischöfe müssten gewählt werden. Das Verhältnis zur Macht müsse angeschaut werden. Wie verträgt sich Macht mit dem Evangelium? Dringend benötige die Kirche Geschlechtergerechtigkeit und echte Beteiligung aller Männer und Frauen in der Kirche, momentan sähe sie eher Beteiligungssimulation. Die Leute dürften reden, aber es geschieht nichts. In der Frühzeit hätte die Kirche starke Formen der Mitbestimmung gehabt. Der Pflichtzölibat wäre leicht abzuschaffen, es bräuchte nur einen einfachen Beschluss. Bei der Weihe von Frauen könnte es noch dauern, aber sie komme sicher. Oft schneller als man denkt, auch die für ewig festzementiert geglaubte lateinische Sprache in der Liturgie war nach dem 2. Vat. Konzil schnell weg. Die Schwester spricht mir aus der Seele, warum wohl hat ihr Kloster keine Nachwuchsprobleme?

Anni van den Nest sagt in einem Interview im Sonntag: „Wenn ich glaube, muss ich mich engagieren und meine Talente in die Welt einbringen.“ Corona deckt einiges in unserer Pfarre zu aber gleichzeitig auch auf. Wir alle müssen uns fragen, was unser Beitrag zu einer gelingenden Gemeinde, in der das Gottesreich spürbar sein soll, ist. Der Besuch des Gottesdienstes oder doch auch das Mitfeiern mit Gesang und Gebet? Das Mitmachen in einer Pfarrgruppe oder eine Leitungsfunktion, da sein, wenn helfende Hände gebraucht werden? Jeder und jede von uns darf und kann etwas tun, ob in erster oder zweiter Reihe. Bitte nicht warten, bis wer fragt, sondern sich anbieten, überlegen, nächstes Jahr ist auch Pfarrgemeinderatswahl. Es geht um unser Noch-Dorfgefühl, wollen wir es weiter, ist die Jugend gefragt. Eine Gemeinde funktioniert, wenn viele tragen, eine Gruppe funktioniert, wenn viele kommen und nicht die Bequemlichkeit zu Hause vorziehen, ein Gesang funktioniert, wenn alle zum Liederbuch greifen, auch wenn ich das Lied mal nicht kenne. Es geht nicht nur um unseren Glauben, es geht auch um Wertschätzung derer, die sich engagieren und vieles, was uns lieb ist   am Leben erhalten. Manchmal heißt das auch, unsere Komfortzone zu verlassen, ja aber das bringt uns menschlich weiter. Wir werden merken, dass es uns allen guttut, wenn wir wieder in unserer Gemeinde richtig zu Hause sind. Es geht nicht unbedingt um große Talente, jeder und jede von uns ist wertvoll und wichtig, vergessen wir das nicht. Und halten wir es mit Anni –  wenn wir glauben, müssen wir uns einbringen –  gern in unserer Gemeinde. Einen guten Start ins neue Kirchenjahr wünscht

Sissi Eichinger

Bilodwquelle: kirche-und-leben.de

Share this...
Share on Facebook
Facebook
0Tweet about this on Twitter
Twitter