Geschichte von Leopoldau

Leopoldau, ein Teil des 21. Wiener Gemeindebezirkes, ist uralter Kulturboden. Schon vor etwa 2500 Jahren siedelten hier Illyrer, wie ein Temperagemälde von F. König in den Städtischen Sammlungen dokumentiert.
Keltische Gräberfelder wurden freigelegt, wie anhand von Hausrat festgestellt werden konnte. Zur Zeit der Babenberger, die 983 die Ostmark erhielten, kamen Bayern hierher. Doch erst unter Leopold dem Heiligen bestehen erste Aufzeichnungen über Leopoldau.
Der Name hat im Laufe der Zeit viele Wandlungen durchgemacht, von Elpeltowe über Altentoe, Alpeltow bis zum späteren Elpeltow, Elpeltau, Eylpeltau, Eylpoltau, Apoltau und Aupoltau, und Aupoldau . Endlich hielt man beim heutigen Leopoldau und so Gott will, wird dieser Ort bis zum Ende aller Zeiten so heißen. Wenn man über Leopoldau berichten soll, weiß man nicht , wo man zuerst anfangen soll , so vielfältig ist die Geschichte dieses Ortes, so meint es der jetzige Pfarrer Klaus Coolen ,Kreuzherr. Früher gehörte Leopoldau zu Niederösterreich und hatte große Funktionen.
Denn Floridsdorf, Kagran etc. gehörten zu Leopoldau. Leopoldau war somit der „Herr“ und nicht umgekehrt. Als jedoch mit Gemeinderatsbeschluss vom 8. November 1904 Leopoldau dem 21. Wiener Gemeindebezirk eingegliedert wurde, hörte Leopoldau auf, selbständig und dominierend zu sein.
Leopoldau wurde von vielen Unglücksfällen heimgesucht. Sei es die Pest, das oftmalige Hochwasser, Heuschreckenschwärme etc. Aber immer wieder rappelte es sich auf, um zu überleben und kräftige Lebenszeichen von sich zu geben. Wohlhabende Bauern belieferten Wien mit landwirtschaftlichen Produkten. So war Leopoldau für seine Pferde und Gänse bekannt. Die Hussiten, Schweden, Türken und Franzosen wüteten auch in Leopoldau und als letzte Besatzer hausten die Russen im Ort.
Leopoldau kann auch mit sehenswerten Baulichkeiten aufwarten. Beginnen wir mit den historischen Gegebenheiten allen voran die Statuen.
Beim inzwischen stark verkleinerten Teich steht die Statue des Hl. Leopold aus dem 17. Jahrhundert. Diese Statue schien ursprünglich einen Hofmann in Galaharnisch im Tanzschritt dargestellt zu haben und war damals als Gartenfigur sehr beliebt. Später wurde dieser Statue der Kopf des Hl. Leopold aufgesetzt und fungierte dann in dieser Gestalt weiter. Am Hauptplatz thront die Statue des Hl. Nepomuk auf interessantem Postament, das mit schönen Barockornamenten verziert ist, und soll laut Sage aus der 1402 durch die Donau zugrunde gegangenen Ortschaft Ringelsee stammen. Ferner steht noch in der Nähe der Schule bei der Aderklaaer Strasse ein Pestkreuz (1679 ), worunter 133 Menschen begraben sein sollen. Im heute noch gut erhaltenen Pesthügel mit dem Kugelkreuz an der Siemensstrasse sollen 700 Tote beerdigt sein. Weiter haben wir noch auf dem Leopoldauer Platz eine alte Gartenmauer in schöner Ziegelornamentik stehen. Dies erinnert an die alte Dorfschmiede. Sie wurde 1990 abgerissen. Um die alte Volksschule neben der Kirche weinen viele Leopoldauer heute noch, die dort einst die Schulbank drückten. Auch dieses Gebäude wurde in den siebziger Jahren abgerissen. Die Schule bestand nämlich in Leopoldau schon um 1600 .Der hintere Schultrakt im Garten wurde erst später gebaut. Das große Schulgebäude in der Aderklaaer Strasse erst während der NS-Zeit. Dicke Tränen weinen alle älteren Leopoldauer dem sogenannten „Durchhaus“ nach. Im Jahre 1453 wurde an dieser Stelle ein Gemeindehaus (Nr.20) erbaut, in dem die Orts-Armen untergebracht waren. 1842 wurde dieses Haus niedergerissen und dafür das „Gemeinde- Markthaus“ errichtet, eben das „Durchhaus“. Das wurde deshalb so genannt, weil in den dreißiger Jahren durch die Errichtung der Stadtrandsiedlung mit Zuzug von Arbeitslosen eben ein Durchgang geschaffen werden musste, um das Dorf für den Einkauf oder zur Straßenbahn 117 (später 17A, heute 29A) zu erreichen. In diesem „Durchhaus“ befand sich auch die Polizei (jetzt in der Großfeldsiedlung) und eine Greißlerei (Klemm). 1970 musste dieses schöne Gebäude einer breiten Straße weichen (Großfeldstrasse). Leopoldau wird von zwei dominanten Gebäuden beherrscht. Das eine ist die barocke Pfarrkirche, das andere ist der barocke Pfarrhof, einst Jagdschloss Leopold des Heiligen. Ursprünglich war Leopoldau nach Stadlau eingepfarrt. Doch da dort die Kirche stets durch Hochwasser zerstört worden war, wurde in Kagran eine Kirche erbaut. Da diese ebenfalls durch Hochwasser nicht erreicht werden konnte, baten die Leopoldauer die Diözese Passau, ihre Kapelle zur Pfarrkirche umzufunktionieren, was 1489 gestattet wurde.
Seither heißt die Kirche „Maria im Elend“ oder „ Maria auf der Flucht nach Ägypten“. Aber auch diese Kapelle verschwand. Ursache: Überschwemmungen und die Zweite Türkenbelagerung, wo in der Folge nur mehr die Grundmauern stehen blieben. 1696 erfolgte der Zubau unter Propst Christoph II. (1686 – 1706). Seit damals hat die Kirche ihre heutige Gestalt, bekam barocke Seitenaltäre, Kanzel und Kirchenstühle, die jedoch bei den Franzosenkriegen als Brennholz verwendet wurden. In der Kirche selbst wurde Fleisch ausgehackt. Nach Abzug der Franzosen kam die jetzige Orgel (1817) von den Barmherzigen Brüdern, auch Kirchenbänke wurde nachgeschafft. 1876 wurde wieder renoviert. Historienmaler Eduard Swoboda malte drei Engelgruppen an die Apsiswände und die Wandpfeiler wurden marmoriert. 1897 malte Josef Kott, rumänischer Hofmaler neuerlich die Kirche, wobei die Engelgruppen Swobodas beibehalten und vom akademischen Maler Johann Gärtner ausgebessert wurden. Der Hochaltar bekam einen prächtigen barocken Tabernakel sowie Antipentium und viele Engel und Heiligenstatuen aus der Heiligenstädter Kirche.
Die Muttergottes-Statue (1320 –1340) wurde erst durch Pfarrer Hartwig Balzen irgendwo auf dem Dachboden oder in der Sakristei aufgefunden und stellt heute das Prunkstück des Gotteshauses dar. Die Kirche wurde innen und außen zwischen 1988 und 1990 neuerlich renoviert, nachdem sie weit nach dem Zweiten Weltkrieg „entstaubt“ wurde. (Wände abgekratzt und nur weiß angestrichen, Barockaltäre weggenommen, Kirchenkanzel versetzt etc.) Jetzt ist sie nur in Helltönen angefabelt.
Das andere, höchst interessante Bauwerk ist der Pfarrhof (Leopoldauer Platz 12). Im Jahre 1311 kaufte das Stift Klosterneuburg von einem Stadlauer namens Ditrich Starsand hier ein Bauernhaus, das 1677 zum barocken Sommersitz für Propst Adam Scharrer von Klosterneuburg umgebaut worden war. Diese Jahreszahl befindet sich, getrennt, an den Pfeilern des Eingangstores. Oberhalb des Eingangstores (Innenseite) befindet sich das Propstwappen mit der Umschrift A.P.Z.C. Im Barocksaal des 1. Stockes malte Balthasar Scabino di Rossa (1717) an die Decke die „Vier Jahrszeiten“ und sechs Medaillons, diverse Tugenden darstellend. Gesimse, Putti, Stukko und Adler verzieren die Räume und den Stiegenaufgang und erinnern stark an den Stukkoplafonds im alten Refectorium des Stiftes Klosterneuburg.
Ein Stukkoplafond befindet sich in einem Raum im ersten Stock, in einem ovalen Mittelbild eine ländliche Szene darstellend (eine Stuckdecke von Ferdinant Oxenbauer ca. 1720), das andere Motiv ziert das Stiegenhaus und stellt Christus mit den Jüngern nach Emmaus dar. Ober der Tür des Stiegenhauses zum Saal ziert das Wappen des Prälaten Ernst Perger (1704 –1748) die Wand. Es wird erzählt dass Leopold, der Heilige hier in diesem Haus ab und zu zur Jagd weilte!
Kirche und Pfarrhof sind bis heute Mittelpunkt des Dorfes. Teich, Feuerwehrhaus, Karl Seidlpark und Friedhof mit schönem Kriegerdenkmal runden das Bild einer geschlossenen Ortschaft ab, in der gut zu leben ist.