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Der Juni ist da, heuer gleich mit Pfingsten. Wir feiern die Sendung des Heiligen Geistes. Ja, die Kirche bräuchte so viel Heiligen Geist, doch wo ist er, hat sich die Taube verflogen, vereinigt sich das Sturmgebraus lieber mit einem Hurrikan, brennt das Feuer lieber vertrocknete Wälder ab?

Am 10. Juni begehen wir die lange Nacht der Kirchen, in den Wiener inneren Bezirken gibt es ganz viel Religiöses zu erleben. Wenn Sie Zeit haben, besuchen Sie Veranstaltungen, hier gibt es viel Heiligen Geist. Gottes Bodenpersonal kann Tolles und damit meine ich bei weitem nicht nur sein geweihtes. Ganz viele Laien und Laiinnen gestalten ein wirklich abwechslungsvolles Programm, in dem auch immer wieder spürbar wird, wie schön und hilfreich unser Glaube ist. „Werde, wer du sein kannst!“ ist heuer das Motto für geistige Berufungen, vergessen wir mal kurz den Ärger über die männlichen Adressaten. Dieses Motto wäre doch wunderbar für jeden und jede von uns. In uns allen steckt doch vieles, was uns besser macht und unsere Pfarre beleben kann.

Ein anderes Motto heißt „Denk dich neu“ und ergeht an die Jugendlichen. Sie sollen, laut Jugend- Bischof Turnovsky, an überraschenden Begegnungsorten zum Nachdenken gebracht werden. Der Glaube soll auf neue Weise kommuniziert werden und auf die Jugendlichen gehört werden. Wäre ich eine Jugendliche, würde ich antworten: „Denkt euch selbst mal neu. Wir leben nicht vor 2000 Jahren. Meiner Oma hat man schon als Jugendlicher gesagt, sie möge doch Geduld haben und jetzt ist sie in Pension. Denkt euch also selbst neu, dann kommt wieder“.

Viele von Ihnen haben den Fragebogen zum synodalen Prozess ausgefüllt und wenig überraschend kam folgendes heraus: Kritisch gesehen wird das starre, hierarchische Gefälle der Kirche. Ein dominantes Thema ist die Rolle der Frau, Frauenordination wird oft gefordert. Gewürdigt wird der caritative Einsatz. Auf der Wunschliste stehen auch mehr Teilhabe bei der Liturgie und neue Elemente, sowie mehr Einsatz für Umwelt, Frieden und gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Hoffentlich wird dies alles wirklich im synodalen Prozess behandelt.

Einen einfacheren Weg schlug die 12jährige Gymnasiastin Johanna Krannewitter aus Ottensheim ein: „Sehr geehrter Herr Papst Franziskus! Ich schreibe Ihnen, weil mir die Gleichberechtigung auch in der Kirche sehr am Herzen liegt!“ Und sie schreibt sich dann ihr Unverständnis, dass Frauen nicht Priesterinnen werden dürfen, sie hat aber diesen Wunsch, von der Seele. Vielleicht sollten wir auch alle so einen Brief schreiben!

Unser Kaplan  Hannes hat in einer Predigt davon gesprochen, dass man sich, um bestimmte Aufgaben gut zu bewältigen, in eine andere Person hineindenken soll. Also hat sich schon jemals ein Kirchenmann in Frauen hineingedacht, die ihre Berufung nicht leben dürfen? Hat sich schon jemand mit offenen Augen eine Messfeier im Vatikan oder im Stephansdom angeschaut, wer da den Altarraum bevölkert? Kriegt man da als Mann kein schlechtes Gewissen oder fühlt man sich gar ein bisschen wie Gott? Seit ein paar tausend Jahren reden wir von Gott Vater, schreibt Susanne Niemeyer in einem Artikel, die Bibel erzählt das, die Kirche lehrt dies, wir beten es. Doch sie meint, Gott sei weder Vater noch Herr und mit der Festmachung an Richter, Krieger und Familienvorstand hätten wir Gott klein gemacht, weil eben fassbar. Um Gott wieder zu erhöhen, hätten wir die Männer im Allgemeinen groß gemacht. Doch Gott sei kein Mann und auch keine Frau, sondern der Heilige in unserer Mitte. Vielleicht sollte sich die Kirche mal mit der Psychologie der Worte befassen. 

In manchen Gegenden unserer Erde führen sich die Männer ja wirklich wie Götter auf, schauen wir nach Afghanistan, nein da macht die globale Welt schnell die Augen zu und sieht kaum mehr als die Frauen in den ihnen aufgezwungenen Burkas. Aber es gibt auch christliche Länder mit großer Geschlechterungerechtigkeit und wegen diesen, sagen wohlmeinende Theologen, könnten Frauen nicht Priester werden, die Länder seien nicht so weit. Das ist wohl eine skandalöse Aussage, die sich leider gebetsmühlenartig wiederholt. Gerade dort müsste doch die Kirche den Frauen zu ihrer gleichberechtigten Würde verhelfen. Da kann man nur beten: komm Heiliger Geist! (siehe oben!)

  • Elisabeth „Sissi“ Eichinger

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