Neunte Leopoldauer Männerwallfahrt

Am Mittwoch den 4. Mai 2022 startete die neunte Leopoldauer Männerwallfahrt, nachdem sie wegen Corona um ein Jahr verschoben werden musste. Eine etwas kleinere Gruppe als bei den letzten Auflagen aus zwölf Leopoldauern und Wahl- bzw. Herzensleopoldauern machte sich vor sieben Uhr früh von Perchtoldsdorf auf den Wiener Wallfahrerweg 06, um in vier Tagen Mariazell zu erreichen. Mit dabei waren auch zwei Mitglieder des Pfarrgemeinderates von Leopoldau: Johann Angst und Bernhard Schaden, der die Wallfahrt wie immer perfekt organisiert hat.

Schon bei der ersten kurzen Rast auf der Kammersteiner Hütte (auf 575 m) zeigte sich, dass diesmal eine sehr fitte Gruppe unterwegs ist, da die erste Steigung, der Bärlauchweg, diesmal für niemanden auch schon zum ersten Kriterium wurde. Über Heiligenkreuz und Mayerling ging es zur Mittagsrast in Maria Raisenmarkt und dann weiter über den langen Anstieg auf den Peilstein (Peilsteinhaus auf 716 m), um nach einem sehr langen und stetigen Abstieg in Furth an der Triesting anzukommen. Damit war der erste und längste Tag der Wallfahrt mit insgesamt 36 km und 1.264 m Anstieg geschafft und die Wallfahrer konnten sich im Gasthof zum Furthnerwirt der Abendgestaltung widmen.

Wie der erste Tag startete der zweite Tag mit Sonnenschein, der die Wallfahrer durch das wunderschöne Triestingtal auf dem Weg zum Kieneck begleitete. Der steile und lange Anstieg auf das Kieneck (Enzianhütte am Kieneck auf 1.107 m) und danach auf den Unterberg sind die wahren Prüfsteine auf der Wallfahrt und in der Vergangenheit mussten einige sie auslassen. Diesmal nahmen alle Wallfahrer sie in Angriff. Auf der Wallfahrt hat man auf den langen Kilometern oft die Gelegenheit in seine Gedanken zu versinken und über Gott und die Welt zu sinnieren oder einfach ganz ruhig das Gehen und die Natur zu genießen. Auf das Kieneck hinauf stellt sich aber für viele eine ganz andere Art der Sinnfrage: „Warum tue ich mir das an?“. Der schwere Rucksack und die über die Jahre an den Hüften genussvoll angesammelten Lasten wirken sich hier besonders aus. Nachdem alle den Aufstieg geschafft und einige ihre Sinnkrisen im strahlenden Sonnenschein am Kieneck hinter sich gebracht hatten, ging es weiter zum Dach der Tour auf den Unterberg (Unterberghütte auf 1.187 m) und wie auch schon am Vortag erwischte die Gruppe der Regen ein wenig am Nachmittag. Nach dem langen Abstieg nach Rohr im Gebirge konnte man aber einige Belohnungsbiere und andere wohlverdiente Getränke wieder in der Abendsonne auf der Terrasse des vor wenigen Jahren neu übernommenen und komplett renovierten Hotels Kaiser Franz Josef genießen.

Der dritte Tag ist der kürzeste und am wenigsten anspruchsvolle und führt über die Kalte Kuchl nach St. Aegyd am Neuwalde. Nach der kalten Kuchl geht es durch eine landschaftlich wunderschöne, aber sehr abgeschiedene Gegend ohne Einkehrmöglichkeit. In St. Aegyd kommen im Landgasthof zum Blumentritt die Feinschmecker und Weinliebhaber voll auf ihre Kosten und die beiden Schwestern die es betreiben sind sogar noch herzlicher zu den Leopoldauern als das auch sehr gastliche Wirtenpaar in Furth und die freundliche Belegschaft des Kaiser Franz Josef.

Rast am Kieneck

Nachdem es zwar jeden Tag irgendwann geregnet hatte, aber sich meist die Sonne zeigte, war das am letzten Tag, der durchgehend trüb und regnerisch war, anders. Perfekt ausgerüsteten Wallfahrern macht das aber natürlich nichts aus. Nach dem letzten langen Anstieg der Wallfahrt über das (Kernhofer) Gscheid (970 m) geht es über Straßen und Forstwege in Richtung des Walstertals bzw. „auf die Walster“ mit dem Hubertussee in Richtung Mariazell. Wie meist ersparten sich die müden Leopoldauer Wallfahrer unnötige Steigungen am letzten Tag und wählten den Weg über die Straße und den Kreuzberg. Traditionell wird dort das Luckerte Kreuz einzeln durchschritten, was für jeden das Ankommen in Mariazell repräsentiert. Es gab keine Ausfälle und alle Wallfahrer haben jede Station mitgemacht, also 110 km und 3.459 m Anstieg in vier Tagen bewältigt, was erst zum dritten Mal der Fall war.

Perfekt ausgerüstete Wallfahrer
 

In Mariazell besuchten wieder viele die Kerzengrotte, um ihrer Verstorbenen zu gedenken. Die Messe in der Basilika, die ein echtes Barockjuwel ist, besuchten alle Wallfahrer. Dem Abt wurde bei der Messe vom Leopoldauer Kaplan Julian Hotico assistiert, der an diesem Tag auch Mariazell besuchte.

Die Leopoldauer Männerwallfahrt ist immer eine Mischung aus sportlicher Herausforderung, Gelegenheit zum Abschalten in traumhafter Natur, Auszeit vom Alltag (Internetempfang gibt es kaum beim Wandern), Freundschaft und Geselligkeit und dafür ist neben jedem einzelnen Teilnehmer vor allem dem Organisator Bernhard Schaden zu danken und alle freuen sich schon auf die nächste Auflage in zwei Jahren.

  • Autor: Alois Horalek

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