Genderseite

Zu Christi Himmelfahrt gab es ein denkwürdiges Jubiläum, das an   den meisten von uns wohl unbemerkt vorübergegangen ist. Vor 100 Jahren feierte der Klosterneuburger Augustiner Chorherr Pius Parsch mit einer kleinen Gemeinde in St. Gertraud die erste Gemeinschaftsmesse, also der Priester tat nicht irgendetwas geheimnisvolles, zum Hochaltar stehend und lateinisch sprechend, wie seit 400 Jahren festgeschrieben, sondern er feierte an einem Volksaltar mit seiner Gemeinde, die mitbetete und mitsang; vieles auf deutsch. Das war damals revolutionär und die Geburtsstunde der „Liturgischen Bewegung“. Diese mündete dann in der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils. Pius Parsch wollte die Bibel als Buch für das Volk platzieren und die katholische Liturgie verständlich machen.

Er hatte einen Orden hinter sich, war aber auch sehr rührig, er gründete, um seine neuen Ideen, die er mit seiner Gemeinde entwickelt hatte, verbreiten zu können, sogar einen Verlag. 1933 wurde beim Wiener Katholikentag die erste Bet-Singmesse dann im großen Rahmen gefeiert. Heute können wir uns Heilige Messen gar nicht mehr anders vorstellen. Pius Parsch war später dann Pfarrer in Floridsdorf und auch unsere Pfarre hatte lange Zeit Priester aus Klosterneuburg. Dann kamen die Kreuzherren und die haben die Liturgie und   unser Gottesbild noch ein bisschen umgekrempelt: Es gab nun einen menschenfreundlicheren Gott, neue Lieder, keine Turnveranstaltung mehr beim Gottesdienst, Stehen beim Evangelium und der Wandlung, sonst Ruhe.  Ein gemeinsames Kommunizieren um den Altar mit KommunionspenderInnen und MinistrantInnen als Stellvertretung für alle Anwesenden folgte bald.   Nun schließt sich wieder eine Tür und es öffnet sich einen neue.  Pater Klaus geht in Pension, Kaplan Hannes geht neue Wege und wir bekommen bis auf Kaplan Julian ein neues Priesterteam. Hoffentlich kann das Bewährte bleiben, aber freuen wir uns auch auf Neuanfänge, hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit zwischen LaiInnen und Priestern. Wir bräuchten Neues in der Liturgie.   Die liturgische Sprache ist teilweise unverständlich und überladen. Wie oft können wir den Gebeten, die der Priester während der Messe spricht, wirklich aufmerksam folgen? Manches Mal will ich es gar nicht, weil ich gar nicht alles glauben kann, was Texte so vermitteln. 100 Jahre Pius Parsch, 60 Jahre 2. Vatikanum, eine Reform wäre wohl dringend notwendig.

Wenn wir im Sommer so manche Ruhestunde haben, dann bitte ich euch nachzudenken, wie unsere Pfarre werden soll. Was kann jeder und jede von uns dazu beitragen, dass unsere Dörflichkeit erhalten bleibt. Ich sehe sie als Geschenk, das wir hüten sollten, aber vielleicht sehe das nur ich so.  Corona hat uns träge gemacht, was brauchen wir heilige Messen, was brauchen wir Gruppenstunden, geht so auch und ist bequem. Aber eine gute Gemeinschaft braucht Anstrengung und ein Miteinander. Eine gute Gemeinschaft, sagt die Psychologie, braucht eine Aufgabe oder einen Feind. Letzteres wollen wir wohl für uns ausschließen. Ich schreibe 2 Tage vor Fronleichnam, da feiern wir das Heilige Brot. Brot als Zeichen für Jesus, aber auch als Zeichen für unsere Gemeinschaft. Brot entsteht nur, weil Körner ihr Innerstes hergeben. Lauter individuelle Körner ergeben kein Brot, lauter Menschen, die wenig in eine Gemeinschaft investieren wollen, ergeben keine Pfarre. Ein gutes Brot beinhaltet Luft und doch, auch   ein paar Körner. So sollten wir sein, wenn uns daran etwas liegt. Unsere Pfarre hat viele Baustellen, Überall werden wir gebraucht. Bitte nicht warten, bis uns jemand anspricht, und wenn nicht, auch, gut gegangen, sondern mitmachen, dass wir wieder lebendig werden. Ich weiß, nach der Arbeit nichts mehr tun, am Sonntag ausschlafen, ist toll. Aber woran erinnern wir uns später mal, was macht unsere Scheune, um Viktor Frankl zu bemühen, voll und reich? Kontakte, unser Tun, das was uns aus unserer Komfortzone lockt. Bitte nicht die Gesamtkirche als Ausrede benutzen. Es geht um uns hier in Leopoldau. Gemeinsam können wir eine Wohlfühloase schaffen, Luft für Neues haben, unser Leben würzen, Leopoldau als Dorf, in dem sich viele kennen und füreinander da sind, erhalten, für neu Zugezogene einladend sein. Dann darf man, wenn man mal überlastet ist, auch einfach Korn in diesem guten Brot sein. Ich wünsche Euch einen schönen Sommer mit vielen positiven Gedanken, vielleicht auch mit Zeit für Gebete, mit Gefühlen der Dankbarkeit und der Vorfreude auf ein Durchstarten im Herbst!

— Elisabeth „Sissi“ Eichinger /Wöchentliche Arbeitszeit: Wo und wie muss ein Ruhetag liegen? – Expertenforum Arbeitsrecht (#EFAR) (efarbeitsrecht.net)

Share this...
Share on Facebook
Facebook
0Tweet about this on Twitter
Twitter