Auch in diesem Jahr begleitet uns während der Fastenzeit ein besonderes Fastentuch, das in unserer Kirche hängt und alle Besucherinnen und Besucher zur Besinnung einlädt. Ein herzlicher Dank gilt Josef und Sissi Eichinger, die das Fastentuch nicht nur sorgfältig angebracht, sondern auch die meditativen Texte zu den einzelnen Bildern gestaltet haben.
Die Bilder des heurigen Fastentuches stammen aus der Dorfgemeinschaft Santiago de Pupuja in den Südanden Perus. Frauen und Männer dieses Dorfes begannen im Jahr 1978, ihr Leben als bäuerliche Gemeinschaft eigenverantwortlich zu organisieren. Die biblischen Texte sind ihnen dabei bis heute Orientierung und Lichtquelle. Viele ihrer Erfahrungen berühren auch unser Leben: in Familie, Beruf und Gemeinde.

Im Folgenden werden die einzelnen Bildmotive des Fastentuches beschrieben:
Die Bilder des Fastentuches
1. Bild oben links – Der fruchtbare Feigenbaum
Die Gemeinde sieht sich selbst als fruchtbringenden Feigenbaum. Auf dem Anzug des dargestellten Mannes sind Früchte dieses Wachstums zu erkennen: ein Gemeindehaus, landwirtschaftliche Pflanzungen sowie die gelebte Gleichberechtigung von Mann und Frau.
2. Bild oben Mitte – Die Versuchungen
Hier erscheinen Versuchungen in Gestalt doppelseitiger Gesichter. Geschenke und Spenden – Nahrung, Dollar – erfreuen zwar, schaffen aber zugleich Abhängigkeit und innere Gefangenschaft.
3. Bild oben rechts – Die Einladung Jesu
Die Gemeinde bewegt sich auf Jesus zu. Er lädt sie ein; er ist die Hütte, die Heimat, der Ort der Geborgenheit.
4. Bild rechts Mitte – Der brennende Dornbusch
Angelehnt an die Mose-Erzählung erscheint der brennende Dornbusch. Mit der Fackel als Symbol der rettenden Gegenwart Gottes bricht die Gemeinde auf ihren Weg auf.
5. Bild rechts unten – Fesseln und Abhängigkeiten
Auf dem gemeinsamen Weg begegnen der Gemeinde Fesseln: die Bindung an Alkohol und die Abhängigkeit von geschenkten Lebensmitteln. Diese Ketten gilt es zu erkennen und zu lösen.
6. Großes Bild in der Mitte – Mit Israel auf dem Weg
Die Dorfgemeinschaft identifiziert sich mit dem Volk Israel: dessen Versklavung in Ägypten, aber auch seiner Befreiung durch das Meer der Bedrängnis. Jesus lebt inmitten der Gemeinde – seine weit geöffneten Arme, seine ausgedehnte Brust bilden das „Tor des Lebens“.
7. Bild unten links – Das Kreuz und die Leiden
Im Kreuz spiegeln sich die Leiden der Menschen: Hunger, Armut und Unrecht. Es ist die Wirklichkeit, die das Leben vieler prägt und nach Erlösung ruft.
8. Bild links Mitte – Die österliche Hoffnung
Die Hoffnung des Dorfes zeigt sich im Bild des neuen Jerusalems, gebaut aus lebendigen, bunten Steinen. Diese Hoffnung ruht auf vier starken Fundamenten:
- aufstehen
- arbeiten
- den Weg bahnen
- den Weg zeigen
Ein Kreis schließt sich
Das letzte Bild führt zugleich zurück zum ersten: Viel Auferstehung ist bereits Wirklichkeit geworden. Der Baum trägt Früchte. Doch zugleich bleibt viel zu tun – für die Menschen in Santiago de Pupuja und ebenso für uns: auf unserem Weg als Christinnen und Christen heute.

